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Rede während der Aktuellen Debatte auf Antrag der Fraktionen CDU und FDP zum Thema „Standards auf dem Prüfstand – Steuergeld verantwortungsvoll einsetzen“

Dienstag, 30. März 2010 | Autor: admin

011. Sitzung des 5. Sächsischen Landtages, 30.03.2010

Rede von MdL Dr. André Hahn während der Aktuellen Debatte auf Antrag der Fraktionen CDU und FDP zum Thema „Standards auf dem Prüfstand – Steuergeld verantwortungsvoll einsetzen“

Es gilt das gesprochene Wort

Herr Präsident, meine sehr verehrten Damen und Herren,

dass was uns die Koalitionsfraktionen von CDU und FDP mit dieser Aktuellen Debatte und insbesondere auch mit ihren einführenden Redebeiträgen angeboten haben, ist schlicht und einfach eine Zumutung für diesen Landtag!

Der Titel für die Diskussion lautet: „Standards auf den Prüfstand – Steuergeld verantwortungsvoll einsetzen.“ Nun nimmt sicher jede Fraktion hier in diesem Haus in Anspruch, mit Steuergeldern verantwortungsbewusst umgehen zu wollen. Und natürlich muss man immer wieder auch bestimmte Standards auf den Prüfstand stellen. Die entscheidende Frage aber ist: Welche Standards werden überprüft und vor allem: Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die aktuelle Politik und auch für die Haushaltsplanung?

Darauf erwarten die Menschen im Land von der Regierung unter Ministerpräsident Tillich endlich klare Antworten. Sie wollen wissen, woran sie sind, was auf sie zukommt, worauf sie sich einstellen und wogegen sie sich gegebenenfalls auch zur Wehr setzen müssen.
Doch zu alledem so gut wie nicht in den bisherigen Redebeiträgen der Koalitionäre. Soviel Unklarheit, soviel Chaos und soviel fehlende Orientierung gab es seit 1990 wohl noch nie in einer sächsischen Landesregierung!

Nun nimmt ja die FDP für sich in Anspruch, das Modernisierungselement dieses unübersehbar stotternden Regierungsmotors zu sein, wie Herr Zastrow wiederholt lauthals verkündete.
Dass der FDP-Chef als Minister nicht geeignet ist, hat er noch rechtzeitig selbst erkannt. Aber warum hat er uns dann Herrn Morlok präsentiert? Dass Zastrow, Herbst und Co. inzwischen auch bei Kommunikation und Eigenwerbung massiv schwächeln, war so nicht unbedingt zu erwarten.
Umso gespannter waren viele, war auch ich auf den Chemnitzer Landesparteitag. Aber außer unqualifizierter Medienschelte wird davon nicht viel in Erinnerung bleiben.
Aufschlussreich allerdings war die Selbstbeurteilung der FDP durch ihren Parteichef. O-Ton Zastrow: „Wir sind eine Gefahr für alle Besitzstandswahrer, für alle Umverteiler, für alle Verharrer und für alle, die sich so bequem auf Steuerzahlerkosten in unserem Land eingerichtet haben. Denn: Wir nehmen weg. Wir fordern ein. Wir stellen infrage.“ (Ende des Zitats)

Das war denn ausnahmsweise doch mal Klartext. In der Tat: Sie nehmen weg – Sie nehmen bei den Bedürftigen und geben denen, die ohnehin schon genug haben. Sie fordern wirklich ein: Zum Beispiel eine schlanke Verwaltung und sorgen dann selbst für deren Aufblähung, um Parteifreunden lukrative Posten zu verschaffen, egal ob sie die Ausbildung dafür haben oder auch nicht. Und ja, es stimmt: Sie stellen infrage, zum Beispiel das in der Verfassung verankerte Sozialstaatsgebot oder auch das längere gemeinsame Lernen an den wenigen Gemeinschaftsschulen, die wir haben, obwohl sie gerade mit diesem Thema Wahlkampf
gemacht haben. Doch auch ihr Motto lautet offenbar: Was schert mich mein Geschwätz von gestern?

Doch Sie werden sich gefallen lassen müssen, dass wir Sie damit konfrontieren, aber vor allem wollen wir natürlich endlich wissen, was Sie künftig zu tun gedenken, welche Standards Sie ändern und welche vermeintlich unnötigen Wohltaten Sie abschaffen wollen.

Dazu aber war weder von der CDU noch von der FDP bislang etwas Konkretes zu hören. Die Abschaltung von Ampeln, die angeblich den Verkehr behindern oder die Absenkung von Brandschutzbestimmungen bei Bauvorhaben wollen sie doch wohl nicht ernsthaft als politische Projekte verkaufen.
Herr Präsident, meine Damen und Herren,
Ministerpräsident Tillich hat kürzlich mit Blick auf den kommenden Doppelhaushalt in einem Interview erklärt, für ihn gebe es keine Schonbereiche. Für DIE LINKE sage ich hier ganz klar. Rasenmäher sind völlig ungeeignete politische Gestaltungsinstrumente! Wir haben uns festgelegt: Keine Kürzungen bei der Bildung und bei sozialen Standards. Und natürlich brauchen wir auch einen Schutzschirm für die Kommunen. Das sind ganz klar unsere drei Schonbereiche. Mit diesen Prämissen gehen wir in die Haushaltsdebatte.

Doch was will die Regierung, was will die Koalition? Wo sind denn Ihre Vorschläge zur Verwaltungsmodernisierung. Wo ist Ihr Antrag zur Auflösung der Landesdirektionen, zur Schaffung einer gemeinsamen Förderbank oder auch eines gemeinsamen Statistischen Landesamtes für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Hier sind wir durchaus gesprächsbereit.

CDU und FDP aber schweigen immer, wenn es wirklich ernst wird und vor allem, wenn es an ihre Besitzstände geht. Und Sie weigern sich, den Bürgerinnen und Bürgern im Land die Wahrheit über ihre Kürzungspläne zu sagen.
Ich erwarte hier und heute endlich klare Aussagen vom Ministerpräsidenten:
Wollen Sie den Betreuungsschlüssel an Kitas verschlechtern - ja oder nein? Stimmt es, dass die Klassenstärken angehoben und damit weitere Schulschließungen in Kauf genommen werden? Gibt es ernsthaft Überlegungen, Hochschulen in Sachsen zu schließen, und falls ja, wo soll das geschehen? Sind die nebulösen Aussagen der FDP auf ihrem Parteitag so zu verstehen, dass durch die Hintertür nun doch Studiengebühren eingeführt werden sollen? Trifft es zu, dass beim Kulturraumgesetz Kürzungen in zweistelliger Millionenhöhe geplant sind und welche praktischen Auswirkungen hätte dies in den Kulturräumen?
Und schließlich: Glauben Sie wirklich, junge Lehrer und Polizisten nach Sachsen holen zu können, wenn Sie aus der Tarifgemeinschaft deutscher Länder einfach austreten? Ich könnte noch viele Fragen stellen, die Zeit erlaubt es nicht.

Herr Präsident, meine Damen und Herren,
kein Ministerpräsident kann auf Dauer farblos bleiben. Herr Tillich, bekennen Sie hier und heute öffentlich Farbe. Sagen Sie den Menschen, wohin Sie das Land steuern wollen. Wenn Sie es nicht tun, wird bei immer mehr Bürgerinnen und Bürgern die Einsicht wachsen: Noch nie wurde Sachsen so schlecht regiert wie heute!

Thema: Reden

Schwarz-Gelb schweigt zu wichtigsten „Standards“ – im Sozial-, Bildungsbereich und bei Kommunalfinanzen

Dienstag, 30. März 2010 | Autor: admin

In der Aktuellen Debatte auf Antrag der CDU/FDP-Koalition zum Thema „Standards auf dem Prüfstand – Steuergeld verantwortungsvoll einsetzen“ sagt der Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag, Dr. André Hahn u.a.:

Warum haben Sie diese Aktuelle Debatte beantragt, wenn Sie nichts Konkretes zu sagen haben? Die entscheidende Frage ist doch: Welche Standards werden überprüft und vor allem: Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die aktuelle Politik und Haushaltsplanung?

Darauf erwarten die Menschen von der Regierung unter Ministerpräsident Tillich endlich klare Antworten. Sie wollen wissen, woran sie sind, was auf sie zukommt, worauf sie sich einstellen und wogegen sie sich gegebenenfalls auch zur Wehr setzen müssen. Doch zu alledem so gut wie nichts in den Redebeiträgen der Koalitionäre. Soviel Unklarheit, soviel Chaos und soviel fehlende Orientierung gab es seit 1990 wohl in keiner sächsischen Landesregierung!

Ministerpräsident Tillich hat kürzlich mit Blick auf den kommenden Doppelhaushalt in einem Interview erklärt, für ihn gebe es keine Schonbereiche. Für DIE LINKE sage ich hier ganz klar. Rasenmäher sind völlig ungeeignete politische Gestaltungsinstrumente! Wir haben uns festgelegt: Keine Kürzungen bei der Bildung und bei sozialen Standards. Und natürlich brauchen wir auch einen Schutzschirm für die Kommunen. Das sind ganz klar unsere drei Schonbereiche. Mit diesen Prämissen gehen wir in die Haushaltsdebatte.

Doch was will die Regierung, was will die Koalition? Wo sind denn Ihre Vorschläge zur Verwaltungsmodernisierung. Wo ist Ihr Antrag zur Auflösung der Landesdirektionen, zur Schaffung einer gemeinsamen Förderbank oder auch eines gemeinsamen Statistischen Landesamtes für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen? Hier sind wir durchaus gesprächsbereit. CDU und FDP aber schweigen immer, wenn es wirklich ernst wird und vor allem, wenn es an ihre Besitzstände geht. Und sie weigern sich, den Bürgerinnen und Bürgern die Wahrheit über ihre Kürzungspläne zu sagen.

Glauben Sie wirklich, junge Lehrer und Polizisten nach Sachsen holen zu können, wenn Sie aus der Tarifgemeinschaft deutscher Länder einfach austreten? Kein Ministerpräsident kann auf Dauer farblos bleiben. Herr Tillich, bekennen Sie hier und heute öffentlich Farbe. Sagen Sie den Menschen, wohin Sie das Land steuern wollen. Wenn Sie es nicht tun, wird bei immer mehr Bürgerinnen und Bürgern die Einsicht wachsen: Noch nie wurde Sachsen so schlecht regiert wie heute!

Thema: Pressemitteilungen

Hahn gratuliert Binus zur Wahl zum Rechnungshofpräsidenten / Kritik an Verletzung von Demokratie-Prinzipien vor der Wahl

Dienstag, 30. März 2010 | Autor: admin

Zur Wahl des neuen Rechnungshofpräsidenten Prof. Karl-Heinz Binus erklärt der Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag, Dr. André Hahn:

Wir gratulieren Herrn Binus zu seiner Wahl, die er sich als langjähriger anerkannter Finanzexperte in verantwortlichen Positionen des Sächsischen Landesrechnungshofes durch parteiübergreifend geschätzte Kompetenz redlich verdient hat. Herr Binus hat sich erst gestern dem Gespräch mit der Fraktion DIE LINKE gestellt und den bereits bestehenden guten Eindruck nachhaltig zu bekräftigen vermocht.

Dem Wahlvorgang selbst – und dafür kann Herr Binus nun persönlich am allerwenigsten – haften jedoch gleich zwei Makel an, die wir nicht übersehen konnten: Erstens wird mit der guten demokratischen Tradition in Sachsen gebrochen, dass der oberste unabhängige Kontrolleur des öffentlichen Ausgabenwesens, der ja zuvörderst den Ministerialapparaten und ihren nachgeordneten Behörden auf die Finger zu schauen hat, die über die größte Macht zum Geldverschwenden verfügen, bei seiner Wahl keiner Regierungspartei angehört.

Zweitens hätte es sich gehört, bevor der Ministerpräsident sein Vorschlagsrecht wahrnimmt, mit der stärksten Oppositionsfraktion eine Verständigung über diese und nachfolgende Personalien zu suchen. Das ist nicht geschehen, obwohl wir wiederholt Gesprächsbereitschaft signalisiert haben. Aus diesen beiden gewichtigen Gründen, die dem für die Demokratie zentralen Prinzip der Gewaltenteilung zuwiderlaufen, müssen wir das Zustandekommen dieses Wahlvorschlags ablehnen, zumal noch völlig offen ist, ob bei der Besetzung weiterer Funktionen in der Spitze des Rechnungshofes dem Grundsatz der Regierungsferne angemessen Geltung verschafft wird.

Deshalb hat sich die Fraktion gestern darauf verständigt, dass wir dem Personalvorschlag des Regierungschefs nicht zustimmen können. Wir werden ihn aber wegen der unbestrittenen Reputation und Integrität von Herrn Binus auch nicht ablehnen. Den Mitgliedern unserer Fraktion wurde daher gestern mit großer Mehrheit auf der Fraktionssitzung die Empfehlung gegeben, sich der Stimme zu enthalten. Ungeachtet dessen setzen wir auch in Zukunft auf eine Fortsetzung der guten Zusammenarbeit mit dem Sächsischen Rechnungshof.

Thema: Pressemitteilungen

Schwarz-Gelb pflegt „Heiligtümer“ auf Kosten der Kinder und Enkel in Sachsen

Donnerstag, 25. März 2010 | Autor: admin

Der Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag, Dr. André Hahn, weist die Polemik des FDP-Fraktionschefs Zastrow gegen haushaltspolitische Vorschläge der LINKEN zurück und erklärt:

Herr Zastrow hat erst neulich die Steuerprivilegien für einige wenige Gruppen lauthals unterstützt, die dem Freistaat Sachsen jedes Jahr mehr als 100 Millionen Euro Einnahmeausfälle bescheren. Gleichzeitig wird die Jugendhilfe um ein Drittel gekürzt und ein genereller Kahlschlag im Sozialbereich eingeleitet, der in erster Linie auf Kosten der Kinder und Enkel geht. Das ist eine völlig unverantwortliche Haushaltspolitik!

Sachsen hat verglichen mit den westdeutschen Bundesländern vergleichsweise wenige Beamte, und das ist auch gut so, deshalb aber werden auch künftige Pensionslasten hier weniger ins Gewicht fallen als anderswo. Wer den entsprechenden Vorsorgefonds trotzdem jetzt ebenso wie die „Neuverschuldung null“ als unantastbares Heiligtum versteht und dann auch noch die Folgekosten des Landesbank-Crashs aus dem laufenden Haushalt finanzieren will und damit insbesondere auf den Sozial- und Bildungsbereich abwälzt, zerstört die Grundlagen der Zukunft, um deren willen er auf Kredite verzichtet.

Wer inmitten der Krise nichts Besseres zu tun weiß als nach Standardabsenkungen beim Baurecht zu rufen, wie Herr Zastrow in seiner heutigen Pressemitteilung, und gleichzeitig trotz leerer Kassen ein Sächsisches Nationalmuseum haben will, hat von der Dramatik der Lage nichts begriffen. Der schon in wenigen Jahren drohende Lehrermangel in Sachsen wird mit einer solch niveaulosen Politik nicht abzuwenden sein. Sie nimmt kommenden Generationen Gestaltungsspielraum und Perspektiven.

DIE LINKE hat seit Jahren eine Effektivierung staatlicher Strukturen in Sachsen gefordert wie z. B. die Abschaffung der früheren Regierungspräsidien und jetzigen Landesdirektionen, den Übergang von einem drei- zum zweistufigen Verwaltungsaufbau und die Fusion von Landesämtern der drei „MDR-Länder“ Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Bei diesem Thema könnte die FDP Gestaltungskraft unter Beweis stellen – durch Taten und nicht durch immer neue Werbesprüche.

Thema: Pressemitteilungen

Tillich nutzt Chance zur Überwindung von Hartz IV nicht, sondern zementiert Spaltung in Arbeitslose 1. und 2. Klasse

Donnerstag, 25. März 2010 | Autor: admin

Zum Kompromiss von CDU-, SPD- und FDP-Spitzenpolitikern aus Bund und Ländern bei den Hartz-IV-Job-Centern und zur Rolle, die dabei Sachsens Ministerpräsident spielte, erklärt der Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag, Dr. André Hahn:

Dem sächsischen Ministerpräsidenten war es bislang nicht vergönnt, mit wahrnehmbaren politischen Initiativen in die Schlagzeilen der Medien zu kommen. Wohl deshalb greift er nach jedem Strohhalm und dürfte daher solche fett gedruckten Überschriften wie „Mein Plan für das neue Hartz IV“ bzw. „So macht Tillich Hartz IV neu“ (s. „Bild“ vom 24. März) als PR-Erfolg verbuchen. Doch bei näherer Betrachtung erweist sich der sächsische Ministerpräsident als Handlanger der Zementierung der gescheiterten Hartz-IV-Regelungen.

Anstatt die vom Bundesverfassungsgericht gebotene Chance zur Überwindung von Hartz IV zu nutzen und nach dem Geiste der Verfassung zu handeln, soll nunmehr das Grundgesetz einfach an den von den Karlsruher Richtern gerügten Ist-Zustand angepasst werden. So bleibt es bei der diskriminierenden Trennung von Arbeitslosen erster und zweiter Klasse und damit auch beim unsäglichen Konstrukt der Bedarfsgemeinschaften. Damit nicht genug: Durch die beabsichtigte Ausweitung der Zahl der Optionskommunen wird das Chaos unterschiedlicher Träger auf jeden Fall noch zunehmen.

Mit diesem faulen Kompromiss entsteht kein einziger neuer Arbeitsplatz, so dass es gerade in Sachsen bei mehr als einer halben Million Menschen, die auf Sozialhilfeniveau leben müssen, bleiben wird. Darüber hinaus werden erneut die Kommunen die Zeche zahlen müssen, zumal der Bund seinen Zuschuss für die Kosten der Unterkunft immer weiter abgesenkt hat. Dass sich auch die SPD auf diesen Kuhhandel eingelassen hat, offenbart, welchen Wert die vorsichtigen Ankündigungen eines Abrückens von Hartz IV im Ernstfall haben.

Thema: Pressemitteilungen

Flaths neuen Tönen müssen Taten folgen – Adressat von Gillos Mahnungen zum „Einwanderungsland“ ist seine Partei

Freitag, 19. März 2010 | Autor: admin

Zur Erklärung des CDU-Fraktionsvorsitzenden Flath, er begrüße die Anregungen des neuen Sächsischen Ausländerbeauftragten Gillo für ein Einwanderungsland Sachsen, sagt der Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE, André Hahn:

Auch wir begrüßen die Anregungen von Herrn Gillo, der die Erwartungen, die wir mit seiner Wahl verbunden haben, schon in den ersten hundert Tagen zu erfüllen begonnen hat. Herr Gillo ist ein weltoffener Mensch, der zu mehr Weltoffenheit in Sachsen beiträgt.

Von der CDU und ihrem Fraktionsvorsitzenden kann das aber bisher beim besten Willen nicht behauptet werden. Ob es um einen menschenwürdigen Umgang mit Flüchtlingen außerhalb von Sammelunterkünften, Offenheit für Zuzügler insbesondere aus unseren Nachbarländern Tschechien und Polen als Fachkräfte, Studierende oder schlicht als Mieter im Grenzgebiet geht – immer steht die sächsische CDU mit ihrem Provinzialismus auf der Bremse. So ist bisher auch kein vernünftiges Integrationskonzept erkennbar.

Man braucht sich nicht einzubilden, dass automatisch Menschen nur deshalb nach Sachsen kommen, weil wir sie gerade brauchen. Entscheidende Voraussetzung für Einwanderung ist ein Klima der Weltoffenheit, in dem sich potenzielle Einwanderer nicht argwöhnisch beäugt, sondern als willkommen empfinden. Dazu gehört ein gemeinsames Auftreten aller demokratischen Parteien beim Zurückdrängen des fremdenfeindlichen Rechtsextremismus. Auch hierbei hat Sachsens CDU noch großen Nachholbedarf.

Nachdem nun neue Töne aus der CDU zu hören sind, erwarten wir auch Taten – denn Adressat der Mahnungen des Ausländerbeauftragten ist vor allem seine eigene Partei, die seit fast 20 Jahren in Sachsen regiert und damit die Hauptverantwortung für bestehende Defizite gerade bei diesem Thema trägt, was Herrn Flath offenbar bisher entgangen ist.

Thema: Pressemitteilungen

Es war richtig und notwendig, sich gegen geplanten Nazi-Aufmarsch in Dresden mit friedlichen Mitteln zur Wehr zu setzen

Freitag, 19. März 2010 | Autor: admin

Erklärung des Vorsitzenden der Fraktion DIE LINKE, Dr. André Hahn, zum Schreiben der Staatsanwaltschaft Dresden an ihn wegen des 13. Februar in Dresden:

die Staatsanwaltschaft Dresden hat mir mit Schreiben vom 4. März 2010 mitgeteilt, dass Sie beabsichtigt, gegen mich als Vorsitzenden der Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag wegen meiner federführenden Beteiligung an den Protestaktionen gegen den geplanten Nazi-Aufmarsch am 13. Februar in Dresden Anklage zu erheben.

Zugleich wurde mir bedeutet, dass von der Erhebung einer öffentlichen Klage abgesehen werden und das Verfahren nach § 153a Strafprozessordnung eingestellt werden könne, sofern ich bis zum 1. April einen Geldbetrag an einen konkret benannten Verein entrichte.

Ich habe Sie heute hier zu dieser Pressekonferenz eingeladen, um Ihnen mitzuteilen, wie ich mich in der fraglichen Angelegenheit entschieden habe.

Um es in aller Deutlichkeit zu sagen: Ich bin der festen Überzeugung, dass weder die vielen tausend friedlichen Demonstranten, die sich am 13. Februar den Nazis entgegen stellten, noch ich persönlich etwas Unrechtes getan haben.

Es war richtig und es war notwendig, sich gegen den geplanten Nazi-Aufmarsch in Dresden mit friedlichen Mitteln zur Wehr zu setzen. Dieses zivilgesellschaftliche Engagement darf nicht kriminalisiert werden.

Aus diesem Grund kann und werde ich auf die Offerte der Staatsanwaltschaft nicht eingehen. Ich werde daher die gesetzte Frist ohne Geldzahlung verstreichen lassen.

Ich will allerdings hier auch deutlich machen, dass ich mir diese Entscheidung nicht leicht gemacht und erst nach sorgfältiger Abwägung aller Umstände getroffen habe. Denn es sprach durchaus einiges dafür, das Angebot der Staatsanwaltschaft ernsthaft in Erwägung zu ziehen.

Wenn es tatsächlich möglich wäre, dass einige wenige Politiker der LINKEN quasi stellvertretend für alle anderen Beteiligten die Verantwortung für die Blockaden übernehmen und mit der Zahlung eines für Abgeordnete eher symbolischen Geldbetrages, noch dazu an einen Verein, der sich gegen Rechtsextremismus engagiert, die juristischen Verfahren insgesamt ad acta zu legen und damit eventuell viele hundert oder gar mehrere tausend Menschen vor Strafverfolgungsmaßnahmen bewahren zu können, dann ist dies eine Sache, die zumindest gründlich geprüft werden muss.

Hinzu kommen natürlich auch persönliche Erwägungen. Ich habe als Fraktionsvorsitzender im Landtag wahrlich genug zu tun und daher weder Zeit noch Kraft und schon gar keine Lust, mich in einen womöglich jahrelangen Rechtsstreit zu begeben, der im Zweifel vor dem Bundesverfassungsgericht endet. Das würde sich wohl jeder gern ersparen. Ich hätte diese Möglichkeit immer noch, wenn ich in den nächsten Stunden die von der Staatsanwaltschaft geforderte Erklärung unterschreiben würde.

Dennoch habe ich mich für den unbequemeren Weg entschieden und ich möchte Ihnen gern meine Beweggründe dafür erläutern.

Nach den gestrigen Aussagen von Oberstaatsanwalt Avenarius laufen gegenwärtig etwa 20 Prüfvorgänge gegen Abgeordnete der LINKEN aus Länderparlamenten und dem Deutschen Bundestag. Ich sei bislang der einzige, der ein förmliches Schreiben der Staatsanwaltschaft erhalten habe. Warum dies so ist, vermag ich nicht zu beurteilen.

Aber ich fühle mich durchaus geehrt, und in der Tat war die Protestform der öffentlichen Fraktionssitzung unter freiem Himmel meine Idee. Dass uns dabei zahlreiche Mitglieder der Landtage in Thüringen und Hessen sowie Abgeordnete aus dem Europäischen Parlament, dem Deutschen Bundestag sowie aus Tschechien und Polen unterstützt haben, zeigt, dass es sich bei den Protesten gegen den Naziaufmarsch wahrlich nicht um ein Ereignis von lokaler Bedeutung gehandelt hat.

Nun bin ich also der erste, der das fragliche Schreiben der Staatsanwaltschaft in den Händen hält, und ich muss mich dazu verhalten. Doch wie immer ich mich entscheide: Es ist völlig ungewiss, wer als nächstes in gleicher Sache Post erhält. Angenommen, ich akzeptiere die Geldzahlung, dann wird zwar das Verfahren gegen mich eingestellt. Ich habe aber keinerlei Einfluss darauf, was andere tun und es gibt daher auch keine Garantie, dass Strafverfahren dann nicht auch auf einen deutlich größeren Personenkreis ausgeweitet werden.

Auch will ich unbedingt dem Verdacht entgegentreten, es gebe irgendeine Sonderregelung für Politiker, die sich vielleicht „freikaufen“ könnten, während die allermeisten der engagierten Protestierer gegen den Nazi-Aufmarsch sich im Zweifel dann doch den normalen juristischen Verfahren stellen müssen. Insofern hat meine Entscheidung auch eine gewisse Signalwirkung.

Und das bedeutet für mich: Gerade weil ich als Abgeordneter noch unter besonderen Schutz der Immunität stehe, erkläre ich mich mit der großen Mehrheit jener friedlichen Gegendemonstranten solidarisch, die über einen solchen Schutz nicht verfügen.

Die parlamentarische Immunität schützt grundsätzlich nicht vor Strafverfolgung, und sie kann in bestimmten Fällen durch einen Beschluss des jeweiligen Parlaments auch aufgehoben werden.

Aber ich frage mit aller Deutlichkeit: Sollte es im 65. Jahr nach der Befreiung vom Faschismus und dem Ende des 2. Weltkrieges in Deutschland tatsächlich möglich sein, dass eine Landtagsmehrheit die Immunität eines Abgeordneten aufhebt, weil er sich friedlich einem Nazi-Aufmarsch entgegengestellt hat?

Medienberichten zufolge gibt es ja auch Überlegungen der Staatsanwaltschaft, die Bundestagsabgeordnete Petra Pau wegen ihrer Teilnahme an den Protestaktionen anzuklagen.

Will die sächsische Justiz wirklich, dass im Deutschen Bundestag darüber abgestimmt werden muss, ob die Vizepräsidentin des Parlaments wegen eines klaren politischen Bekenntnisses gegen Neonazi-Aktivitäten strafrechtlich verfolgt werden darf? Dies wäre ein Skandal, der Deutschland und vor allem Sachsen europaweit in die Schlagzeilen bringen würde!

Zu diesem Punkt eine letzte Anmerkung: Ich sollte eigentlich in der kommenden Woche den Ministerpräsidenten auf einer Reise nach Israel begleiten, die aufgrund innenpolitischer Termine aus nachvollziehbaren Gründen leider abgesagt wurde. Ich habe mir in den letzten Tagen bei meiner Abwägung auch immer wieder die Frage gestellt, was unsere Gastgeber in Tel Aviv und Jerusalem wohl sagen würden, wenn ich ihnen im Gespräch erzählt hätte, dass ich in Deutschland wegen friedlichen Protesten gegen einen geplanten Nazi-Aufmarsch im Zweifel sogar vor Gericht gestellt werden soll.

Meine Entscheidung hat aber nicht zuletzt auch mit den sich zum Teil widersprechenden und damit irreführenden öffentlichen Äußerungen der Dresdner Staatsanwaltschaft zu tun. In offiziellen Erklärungen war wiederholt die Rede davon, dass ich eine Geldbuße entrichten solle, um einem Strafverfahren zu entgehen. Die Zahlung einer Geldbuße setzt jedoch die Anerkennung einer strafbaren Handlung voraus. Das jedoch ist abwegig.

Dass der Begriff „Geldbuße“ später von der Staatsanwaltschaft zurückgenommen wurde, macht die Sache nicht besser. Mir jedoch blieb danach für meine Entscheidung kaum noch eine andere Wahl.

Ich persönlich weiß natürlich, dass die Einstellung eines Ermittlungsverfahrens nach § 153a StPO mit der Zahlung eines Geldbetrages kein Schuldeingeständnis ist und auch nicht als Vorstrafe gilt.

Nachdem aber sowohl in Agenturmeldungen wie auch in Fernsehberichten und Zeitungsartikeln von drohenden Geldbußen die Rede war, die ich zahlen solle, und dies ganz offenkundig bei vielen Bürgern und nach den Medienberichten noch verstärkt als Bestrafung gesehen wird, bleibt mir eigentlich keine andere Möglichkeit, als dies durch meine Entscheidung gerade zu rücken. Wenn es wirklich darum gegangen sein sollte, mich zu einem irgendwie gearteten Kompromiss zu bewegen, dann waren die divergierenden öffentlichen Äußerungen der Staatsanwaltschaft hier alles andere als hilfreich.

Ich unterstelle ja durchaus, dass Herr Avenarius eine gute Absicht verfolgte, als er mich gestern gegenüber der Nachrichtenagentur dpa als einen „Organisator und Kopf der Blockaden“ einstufte und dennoch als „honorigen Mann“ bezeichnete.

Aber ich muss auch feststellen: Ich habe in den letzten zwei Wochen bei sämtlichen Medienanfragen keine Details aus dem Schreiben der Staatsanwaltschaft öffentlich gemacht. Weder den angeblichen Straftatbestand noch den in Rede stehenden Geldbetrag für die Einstellung des Verfahrens und auch nicht den Adressaten einer eventuellen Zahlung. Das hat der Sprecher der Staatsanwaltschaft nun getan, offenbar, um Druck auf mich auszuüben und meine Entscheidung zu beeinflussen. Ich halte dies für mehr als problematisch.

Aber wenn diese Dinge nun schon mal in der Öffentlichkeit sind, dann kann ich dazu auch Stellung nehmen.

Seitens der Staatsanwaltschaft wird mir nach § 21 Versammlungsgesetz die Sprengung einer Versammlung vorgeworfen. Ich bin begeistert darüber, wozu ich anscheinend im Stande bin.

Für mich allerdings ist klar: Dass die Nazis am 13. Februar in Dresden nicht marschieren konnten, war das Verdienst vieler tausend Menschen, die sich dem entgegengestellt haben. Wir als LINKE haben uns daran beteiligt, und ich bin stolz darauf!

Ich bin bekanntermaßen kein Jurist, aber ich weiß, dass das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland neben der Versammlungsfreiheit nicht nur ein Grundrecht auf Meinungs- und Gewissensfreiheit kennt, sondern im Artikel 20 auch ein Grundrecht auf Widerstand gegen Bestrebungen, die auf die Beseitigung der rechtsstaatlich-demokratischen Ordnung gerichtet sind. Genau dieses Recht nehme ich für mich und für die vielen tausenden friedlichen Protestierer in Anspruch. Zwischen den genannten Grundrechten muss in Streitfällen eine Abwägung erfolgen.

Im vorliegenden Fall war am 13. Februar für die Zeit zwischen 12 und 17 Uhr nach einem Gerichtsbeschluss ein Aufzug der Jungen Landsmannschaft Ostdeutschlands (JLO) genehmigt. Bereits ab 8 Uhr haben sich jedoch viele Menschen in die vermutete Gegend des geplanten Nazi-Aufmarsches begeben, um dort zu protestieren. Dazu gehörten auch viele Mitglieder der LINKEN, und das war auch gut so!

Entgegen der Annahme der Staatsanwaltschaft kannten wir aber die von der Stadt Dresden letztlich genehmigte Route des JLO-Aufzuges nicht, denn diese wurde bis zuletzt geheim gehalten.

Deshalb trafen sich die meisten Politiker der LINKEN im „Haus der Begegnung“ in der Großenhainer Straße in Dresden und wollten sich von dort aus an den Protesten gegen den Nazi-Aufmarsch beteiligen.

Ursprünglich hatten wir vor, uns zum Albertplatz zu begeben, um an den dort vorbereiteten Veranstaltungen teilzunehmen. In Abstimmung mit dem Bündnis „Nazifrei- Dresden stellt sich quer“ entschieden wir dann jedoch kurzfristig dazu, in der Hansastraße in unmittelbarer Nähe zum Neustädter Bahnhof zu bleiben.

Ganz bewusst haben wir uns – quasi als Puffer – zwischen der Polizeikette und den zu diesem frühen Zeitpunkt bereits anwesenden schätzungsweise dreitausend Menschen postiert, um durch unserem speziellen Status als Parlamentarier gegebenenfalls als Vermittler zu den Einsatzkräften agieren zu können.

Dies wurde von der Polizei auch dankbar angenommen, und selbst der Polizeipräsident des Freistaates Sachsen hat ja später erklärt, dass von den Blockaden keinerlei Gewalt ausgegangen sei.

Insofern ist es für mich auch nicht akzeptabel, dass mir und meinen Kollegen gegenüber ausweislich des mir zugesandten Schreibens der Vorwurf der

„Sprengung einer Versammlung“ erhoben wird.

Wie bereits ausgeführt, hatten wir keinerlei Kenntnis von der genehmigten Marschroute der Nazis. Wir haben uns gemeinsam mit vielen anderen zu einer Spontandemonstration zusammengefunden, die erkennbar auch von den Einsatzkräften der Polizei und deren Leitung vor Ort akzeptiert worden ist.

Und es gibt noch einen anderen, ganz zentralen Punkt, weshalb ich den Überlegungen der Dresdner Staatsanwaltschaft nicht folgen kann.

In dem an mich gerichteten Schreiben ist die Rede davon, dass der geplante JLO-Aufzug vereitelt wurde, weil wir der mehrfachen Aufforderung der Polizei zum Auseinandergehen nicht Folge geleistet hätten.

Ja, natürlich wollten wir, dass die Nazis nicht einfach durch die Stadt marschieren können, aber Fakt ist: Es gab zu keinem Zeitpunkt eine Aufforderung der Polizei, den Ort der Spontandemonstration zu räumen. Dies kann ich für den Zeitraum, wo ich mich an den Aktionen auf der Hansastraße beteiligte, auch gern eidesstattlich versichern, und für den Zeitraum, wo ich nicht mehr dort war, gibt es tausende Zeugen dafür, dass weder eine Aufforderung zur Räumung des Platzes noch ein förmlicher Platzverweis ausgesprochen wurde. Das Schreiben der Staatsanwaltschaft an mich enthält also eine völlig unwahre Behauptung. Auch deshalb kann ich die Angelegenheit nicht auf sich beruhen lassen.

Was mich persönlich angeht, so habe ich bereits vor dem 13. Februar öffentlich erklärt, dass ich mich gegen eine Hierarchisierung des Gedenkens ausspreche und deshalb sowohl an den Protestaktionen in der Dresdner Neustadt als auch an der Menschenkette in der Altstadt teilnehmen werde, was ich auch getan habe.

Dies führte dazu, dass ich zu dem Zeitpunkt, als der Nazi-Aufmarsch beginnen sollte, gar nicht am Neustädter Bahnhof sein konnte. Für meine Teilnahme an der Menschenkette kann ich viele prominente Zeugen benennen, angefangen von Ministerpräsident Tillich über den Landtagspräsidenten Matthias Rößler bis hin zur Dresdner Oberbürgermeisterin Helma Orosz. Wenn es denn zu einer Gerichtsverhandlung kommen sollte, freue ich mich darauf, sie alle dort begrüßen zu können.

Den letzten Ausschlag für meine Entscheidung, dem Ansinnen der Staatsanwaltschaft nicht zu folgen – das will ich hier ganz offen einräumen –

gab die Positionierung des Bündnisses „Nazifrei – Dresden stellt sich quer!“

Ich erlaube mir, dazu aus der gestrigen Presseerklärung der Sprecherin Lena Roth zu zitieren. Dort heiß es: „Es ist unerklärlich und bundesweit beispiellos, wie die Staatsanwaltschaft gegen Nazi-GegnerInnen vorgeht. Wir fordern alle Betroffenen auf, Widerspruch gegen den Bußgeldbescheid einzulegen… Die Blockaden waren ein legitimes Mittel, um dem braunen Treiben Einhalt zu gebieten und stießen europaweit auf positives Medienecho. Dafür zahlen zu müssen, dass man aktiv Engagement gegen Rechts gezeigt und dazu bis zu zwölf Stunden in der Kälte ausgeharrt hat, ist absurd!“

Manch anderer mag sich vielleicht geschmeichelt fühlen, wenn er von der Staatsanwaltschaft als „Organisator und Kopf der Blockaden“ eingestuft wird.

Wir als Fraktion der LINKEN und auch ich persönlich haben uns immer als Teil eines parteiübergreifenden Bündnisse begriffen. Wir hatten und wollten keine Führungsrolle, aber natürlich sind wir bereit, die politische Mitverantwortung dafür zu übernehmen, dass die Nazis am 13. Februar 2010 in Dresden nicht marschieren konnten.

Wenn jedoch die autorisierten Vertreter des Bündnisses jedwede Geldzahlungen ablehnen, dann werde ich keine entgegen gesetzte Entscheidung treffen. Vielmehr will ich gern meine vergleichsweise exponierte Stellung zur Unterstützung des Bündnisses einsetzen.

Fest steht auch: Weder in Berlin noch in Köln, weder in Leipzig noch in Jena sind friedliche Demonstranten verfolgt und letztlich vor Gericht gestellt worden. Sachsen hätte hier ein unrühmliches Alleinstellungsmerkmal. Der Jenaer Oberbürgermeister hat sich im Übrigen höchstpersönlich an den Protestaktionen in Dresden beteiligt, wofür ich sehr dankbar bin.

Wenn nun dieses zivilgesellschaftliche Engagement, das nicht zuletzt auch der sächsische Ministerpräsident in seiner Regierungserklärung eingefordert hat, kriminalisiert werden soll, dann ist dies nicht hinnehmbar!

Ich kann hier nur appellieren, bei der Strafverfolgung von antifaschistischen Aktivitäten keinen sächsischen Sonderweg zu beschreiten. Proteste gegen Nazi-Veranstaltungen müssen gerade in Deutschland legitim sein, und sie sind leider nach wie vor dringend notwendig.

Ich will abschließend gern einräumen, dass es offenkundig auch in der Dresdner Staatsanwaltschaft Verantwortliche gibt, die für eine Strategie der Deeskalation stehen. Es gab den Versuch, Brücken zu bauen, aber diese Brücken waren bei näherer Betrachtung letztlich nicht wirklich tragfähig.

Hinzu kommt der unerquickliche Umstand, dass wir hier in Sachsen leider noch immer weisungsgebundene Staatsanwaltschaften haben und insofern nicht völlig auszuschließen ist, dass bei bestimmten Entscheidungen auch politische Vorgaben eine Rolle spielen. Auch weiß ich nicht, was es für Proteste in späteren Jahren für Folgen hätte, wenn ich jetzt einfach die geforderte Geldzahlung leisten würde.

Ich sehe mich daher außerstande, mich irgendwelchen Vorgaben der Staatsanwaltschaft zu beugen.

Ich persönlich bin und bleibe gesprächsbereit. Aber eines muss klar sei: An dem Versuch, die verschiedenen Formen der Anti-Nazi-Proteste gegeneinander auszuspielen, kann und werde ich mich nicht beteiligen.

Ich war in den letzten Jahren bei den Protestaktionen dabei, ich war es in diesem Jahr und ich werde es auch im Jahr 2011 sein. Solange das Gedenken an die Opfer in Dresden durch Ewiggestrige missbraucht wird, ist Widerstand erforderlich.

Thema: Pressemitteilungen

Tillich ist nicht Schumacher – für Politik müssen beim Sponsoring andere Regeln gelten als im Sport

Mittwoch, 17. März 2010 | Autor: admin

Zum Interview des sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich (CDU) in der heutigen Ausgabe der „Leipziger Volkszeitung“ erklärt der Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag, Dr. André Hahn:

Politiker sind keine Formel-1-Piloten, und ich hoffe doch nicht, dass Stanislaw Tillich künftig wie Michael Schumacher mit dem Namen der Sponsoren am Anzug herumlaufen will. Sein Schein-Lösungsvorschlag zum Thema Parteien-Sponsoring läuft darauf hinaus, dass seine Partei auch weiterhin aus der „Denkfabrik“ und anderen Parteiveranstaltungen eine „Geldfabrik“ machen kann. DIE LINKE wird u.a. gegen den Missbrauch von Regierungsämtern für Parteienfinanzierung einen Gesetzentwurf in den Landtag einbringen.

Die Sponsoren selbst treten ja schon jetzt – anders als Parteispenden unter 20.000 Euro – öffentlich in Erscheinung, da nützt ein zusätzliches öffentliches Register, das uns nur das Zusammenzählen der an die CDU gezahlten Sponsorengelder erleichtert, nicht wirklich weiter, auch wenn mehr Transparenz grundsätzlich notwendig ist. Da Sponsoring, anders als Parteispenden, in jedem Fall an eine unmittelbare Gegenleistung der Partei geknüpft ist, darf es bei der anzustrebenden Veröffentlichungspflicht keine Untergrenze geben, schon gar nicht so hoch wie von Tillich vorgeschlagen (10.000 Euro jährlich).

Auch Tillichs Antworten zu anderen, das ganze Land betreffenden Geldfragen, überzeugen nicht. Bei der Frage nach den Schwerpunkten des künftigen Haushalts nennt er fast alle Politik-bereiche, während im laufenden Haushalt bereits nach Vorgaben des Finanzministers mit der Rasenmäher-Methode gekürzt wird. So wird es auch bei den angedrohten milliardenschweren Kürzungen im Doppelhaushalt 2011/2012 kommen, wenn der Ministerpräsident nicht endlich von seiner Richtlinienkompetenz Gebrauch macht.

Doch vom Willen zu wirklicher politischer Führung ist nichts zu spüren. Dass er seine auf unseren Antrag erfolgte Herbeirufung bei der Landtags-Debatte über die Sozialkürzungen als „Inszenierung“ bezeichnet, zeigt, dass Herr Tillich immer noch nichts begriffen hat. Wenn die soziale Zukunft des Freistaates Sachsen auf dem Spiel steht, darf sich der Ministerpräsident nicht drücken. Genau das aber hat er einmal mehr getan. Diesen Fakten muss sich Stanislaw Tillich stellen und daraus die Konsequenzen ziehen. Statt schon jetzt den Lager-Wahlkampf für 2014 auszurufen, sollte er insbesondere den Rasenmäher im Sozial-, Jugend- und Bildungsbereich endlich anhalten und Zeichen setzen, das es ihm mit seiner Rede vom „Zusammenhalt des Landes“ wirklich ernst ist.

Thema: Pressemitteilungen

Rede innerhalb der Aktuellen Debatte auf Antrag der Fraktion GRÜNE zum Thema „20 Jahre CDU-Regierung in Sachsen: Wem gehört der Freistaat“

Donnerstag, 11. März 2010 | Autor: admin

010. Sitzung des 5. Sächsischen Landtages, 11.03.2010

Rede innerhalb der Aktuellen Debatte auf Antrag der Fraktion GRÜNE zum Thema „20 Jahre CDU-Regierung in Sachsen: Wem gehört der Freistaat“

Auszug Protokollmitschrift

Herr Präsident!
Meine Damen und Herren!

,,20 Jahre CDU-Regierung in Sachsen: Wem gehört der Freistaat?” Es ist eigentlich bedauerlich, dass man darüber überhaupt diskutieren muss, aber die CDU bietet immer wieder An-lässe dafür, dass das notwendig ist. Um die Frage gleich zu beantworten - und möglicherweise wird das den einen oder anderen Kollegen von der Union verwundern:

Der Freistaat Sachsen gehört nicht der CDU, er gehört den Bürgerinnen und Bürgern in diesem Land.

(Christian Piwarz, CDU: Wer hat denn das behauptet? - Beifall bei der Linksfraktion)

Ich weiß, manche in der CDU sehen das offenbar anders, viele haben inzwischen die Boden-haftung verloren. Über 20 Jahre ist eine neue Staatspartei entstanden, die sich das Land zu ihrer Beute gemacht hat.

(Alexander Krauß, CDU: Die CDU ist durch Wahlen an die Macht gekommen und nicht wie die Linksfraktion!)

Beweise dafür gibt es in Hülle und Fülle. Man muss gar nicht unbedingt in die Vergangenheit zurückblicken. Selbst heute findet ein Ereignis statt, das tief blicken lässt. Antje Hermenau hat darauf hingewiesen. Vor dem Landtag ist ein Gerüst aufgebaut. Dort werden der CDU-Ministerpräsident und der Landtagspräsident heute ein überdimensioniertes Transparent zur Erinnerung an 20 Jahre friedliche Revolution enthüllen. Zahlreiche Medienvertreter werden erwartet. Die Opposition wurde gleich gar nicht zu dieser Veranstaltung eingeladen. Das lässt für Ihr Demokratieverständnis, meine Damen und Herren, sehr tief blicken.

(Beifall bei der Linksfraktion, der SPD und den GRÜNEN - Zuruf des Abg. Klaus Bartl, Links-fraktion)

Auf dem Großbanner soll stehen: “Hier bestimmen Sie!”. Das, was die meisten CDU-Abgeordneten wirklich denken, haben sie sich natürlich nicht draufzuschreiben getraut. Eigentlich hätten Sie am liebsten draufgeschrieben “Hier bestimmt die CDU”. Deshalb haben Sie sich gestern auch nicht den Demonstranten gestellt. Deshalb mussten der Ministerpräsident und der Finanzminister erst durch die Opposition gezwungen werden, überhaupt an der Debatte über die geplanten Sozialkürzungen teilzunehmen.

Ich habe vorhin gesagt: “Die CDU hat sich das Land zu ihrer Beute gemacht.”. Wie das in der Praxis aussieht, lässt sich exemplarisch am Beispiel der Sächsischen Schweiz zeigen. Fast alle wichtigen Institutionen in dieser Region sind von CDU-Leuten geführt - und zwar von Leuten, die nicht nur ein CDU-Parteibuch haben, sondern von Mandatsträgern: Bundestagsabgeordneten, Landtagsabgeordneten, Landräten, Bürgermeistern oder Stadträten, die dort das Sagen haben.

(Uta Windisch, CDU: Die sind alle gewählt worden!)

Ich kann aus Zeitgründen nur einige dieser Institutionen nennen: Tourismusverband, Deutsches Rotes Kreuz, Verwaltungsrat der Sparkasse, Volkshochschule, Kulturkonvent, Verkehrsverbund Obereibe, Zweckverband Abfallwirtschaft, Kreissportbund, Aufsichtsrat Nahver-kehrsgesellschaft, Festival “Sandstein und Musik”, wichtige Fußballvereine und, und, und.

Meine Damen und Herren, so sieht es fast überall in Sachsen aus. Deshalb sage ich: Wer will, dass man in diesem Land endlich wieder frei atmen kann, der muss den schwarzen Filz durchbrechen.

(Zuruf des Abg. Robert Clemen, CDU - Beifall bei der Linksfraktion, der SPD und den GRÜNEN)

Die Sponsoringaffäre des Sächsischen Ministerpräsidenten ist nur eine logische Fortsetzung dieser Tendenzen. Ich bleibe dabei: Der Vorwurf der faktischen Käuflichkeit des Minister-präsidenten im Interesse seiner Partei steht im Raum. Deshalb muss sich Herr Tillich aus meiner Sicht dazu heute auch hier erklären.

Herr Tillich, die Sponsoren haben doch nicht für ein Foto mit dem CDU-Landesvorsitzenden Geld bezahlt. Statt dessen wollten sie für ihre Publikationen ein Foto mit dem Ministerpräsidenten. Genau darin liegt der Missbrauch. Deshalb halten wir auch eine grundsätzliche Novellierung des Parteiengesetzes für dringend erforderlich, meine Damen und Herren. Ansonsten wird die Abhängigkeit der Politik von der Wirtschaft mittelfristig immer stärker werden. Herr Tillich hat zwar behauptet, er sei nicht käuflich. Durch die erfolgten Geldzahlungen ist er jedoch mindestens befangen. Genau das, meine Damen und Herren, ist nicht hinnehmbar.

Gestatten Sie mir zum Abschluss eine letzte Bemerkung. Herr Ministerpräsident - Sponsoring hin oder her -, ich sage Ihnen: Wenn Sie mit Ihrer Politik so weitermachen wie bisher, beispielsweise bei den Sozialkürzungen und allem, was Sie noch so angekündigt haben, wird es nicht mehr allzu lange dauern und Sie werden dafür bezahlen müssen, dass sich mit Ihnen überhaupt noch jemand fotografieren lässt.

Herzlichen Dank.

(Beifall bei der Linksfraktion und den GRÜNEN)

Zweite Rede innerhalb der Debatte

Herr Präsident!
Meine Damen und Herren!

Ich möchte zu dem Letzten, Herr Flath, was Sie gesagt haben, gern noch eine Bemerkung machen: Wenn Sie vorhin deutlich gemacht haben, dass die Verträge so gestaltet sein müssen, dass die Firmen glaubhaft machen können, dass es im unternehmerischen Interesse liegt, dass sie dieses Geld an die CDU geben – das ist ja wohl deshalb wichtig, damit sie dieses Geld von der Steuer absetzen und die entsprechenden Nachweise erbringen können.

Das heißt aber im Klartext, was für Sie offenbar überhaupt kein Problem ist: Das Geld, das
ansonsten eigentlich dem Steuersäckel, dem Staatshaushalt zugestanden hätte, wird über diesen Weg in die Parteikassen der CDU umgeleitet. Darin sehe ich, darin sieht meine Fraktion schon ein sehr ernsthaftes Problem.

(Beifall bei der Linksfraktion - Zurufe von der CDU)

Ich möchte gern noch etwas zu dem immer wieder erhobenen Vorwurf zum SED-Parteivermögen sagen. Ich weiß, Ihnen fällt nichts anderes mehr ein, weil Sie uns andere Dinge nirgendwo nachweisen können.

(Robert Clemen, CDU: Das ist doch nachgewiesen worden!)

Ich will trotzdem gern etwas dazu sagen: Der Deutsche Bundestag hat mit den Stimmen der CDU eine „Unabhängige Kommission Parteienvermögen“ eingesetzt. Diese unabhängige Kommission wurde unter anderem von Herrn Prof. Papier geleitet, jetzt Präsident des Verfassungsgerichtshofes der Bundesrepublik Deutschland. Diese Kommission hat nach vielen Jahren einen Bericht über alle diese finanziellen Vorgänge vorgelegt. Darin können Sie ersehen, wann welche Konten gesperrt wurden, was beschlagnahmt worden ist, was juristisch verfolgt worden ist. Im Ergebnis der Verhandlungen sind der damaligen PDS drei Gebäude, drei Häuser - unter anderem das zentrale Parteihaus in Berlin, eines in Erfurt und ein Tagungshotel in Eggersberg - zurückgegeben worden. Drei Häuser - und der Bericht ist an dieser Stelle eindeutig.

Hören Sie auf mit Ihren permanenten Unterstellungen; sie entbehren jeder Grundlage! Lesen Sie den Bericht, und dann können wir darüber diskutieren.

(Beifall bei der Linksfraktion - Zuruf des Abg. Robert Clemen, CDU)

Ich habe vorhin gesagt, wie viele Ämter, wie viele Posten von CDU-Mandatsträgern in diesem Land bekleidet werden, von Ihnen besetzt sind - im Sport, in der Kultur, im Tourismus, in der Wirtschaft. Dazu kam vorhin der Zwischenruf der CDU “Die sind doch alle gewählt!”, was die Mandatsträger angeht. Ich will auch dazu gern etwas sagen, weil ich das für wichtig halte. Wie das praktisch aussieht, konnte man auch in meiner Region jüngst erst sehen: Da geht der ehemalige CDU-Landrat, der das Amt innehat, aus Altersgründen in den Ruhestand; es wird quasi an die Enkelgeneration verschenkt. Der Kollege Wehner hat noch nicht einmal hier im Landtag richtig Platz genommen, da wird der Vorstandsposten beim Deutschen Roten Kreuz frei. Den bekommt er nicht etwa, weil er für das Deutsche Rote Kreuz über viele Jahre intensiv gearbeitet hat, gute Kenntnisse hat, sich dort einbringen kann - er bekommt den Posten, weil er gerade CDU-Landtagsabgeordneter geworden ist. Er nimmt dann als Vizevorstandschef noch seinen Wahlkampfberater oder Junge-Union-Freund mit - der eine ist der Vorstandschef, der zweite ist der Wahlkampfmanager. Genau das ist der Missbrauch, der in diesem Land stattfindet.

(Beifall bei der Linksfraktion und der NPD)

So sieht es in vielen Institutionen aus, und das kritisieren wir, und häufig sagen mir die Leute: Wir haben in der Mitgliederversammlung nicht den fachlich Besten gewählt, der unsere Interessen am besten vertritt, sondern Sie sagen, wir erhoffen uns Zugang zu Fördergeldern, wir erhoffen uns, bei Ausschreibungen Zuschläge zu bekommen, also z. B. bei Rettungsdiensten, wir brauchen die Person deshalb und nicht, weil er besonders viel für uns geleistet hat, - -

Präsident Dr. Matthias Rößler: Erlauben Sie eine Zwischenfrage, Herr Kollege?

Dr. Andre Hahn, Linksfraktion: Aber natürlich.

…
Dr. Andre Hahn, Linksfraktion: Ich will die Frage gern beantworten: Erstens bin ich auch Mitglied in mehreren Vereinen - das kann man alles nachlesen -; das Problem besteht darin, dass meine Aufgabe als Fraktionsvorsitzender so zeitintensiv ist, dass ich keine Vorsitze in Vereinen und Verbänden übernehmen kann.

Aber ich habe aus meiner Sicht einen Systemfehler deutlich gemacht, der existiert, und ich könnte jetzt jede einzelne Institution aus meinem Landkreis exemplarisch für Sachsen durchgehen. Wenn die Leute beim Sport sagen, es gibt eine Findungskommission, wird dann schon diskutiert: Entweder wird es der ehemalige Kreisrat der CDU oder es wird der ehemalige Beigeordnete der CDU aus dem anderen Kreis, der den Sportbund übernimmt.

(Zuruf von der CDU)

Diese Diskussionen sind es, die zur Politikverdrossenheit führen.

(Zuruf von der CDU: Quatsch!)

Ich spreche das an, weil daran aus meiner Sicht tatsächlich deutlich wird, wie die CDU dieses Land begreift, diesen Staat begreift und wie sie versucht, alles zu dominieren. Genau das wollen wir als LINKE nicht, und genau das verträgt eigentlich auch die Demokratie in unserem Lande nicht.

(Beifall bei der Linksfraktion und den GRÜNEN)

Herr Präsident, gestatten Sie mir eine letzte Bemerkung.

Präsident Dr. Matthias Rößler: Sie haben noch 30 Sekunden, Herr Kollege.

Dr. Andre Hahn, Linksfraktion: Und zwar will ich, da Nordrhein-Westfalen mehrmals angesprochen worden ist, auf folgendes hinweisen: Es hat gestern die Debatte im dortigen Land-tag gegeben. Der Ministerpräsident, Herr Rüttgers, hat sich in dieser Debatte gestellt. Er hat die Position seiner Partei, seine Position zu den Vorgängen, auch seine Verantwortung dort klargestellt.

Ich erwarte - und das gehört sich gegenüber dem sächsischen Parlament -, dass sich der Ministerpräsident des Freistaates Sachsen in gleicher Weise wie der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen zu diesen Vorwürfen äußert. Das sind Sie auch den Bürgerinnen und Bürgern, die uns in dieses Parlament entsandt haben, schuldig. Ich fordere Sie ausdrücklich dazu auf!

(Beifall bei der Linksfraktion)

Thema: Reden

Tillich verweigert Antwort auf Vorwurf der Käuflichkeit vor Parlament – Selbstherrlichkeit der neuen Staatspartei

Donnerstag, 11. März 2010 | Autor: admin

Zur Aktuellen Debatte des Landtags „20 Jahre CDU-Regierung in Sachsen: Wem gehört der Freistaat?“ und zum Großbanner „Hier bestimmen Sie“, das heute Landtagspräsident und Staatskanzlei vor dem Parlament aufstellen, erklärt der Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE, Dr. André Hahn:

Der Freistaat gehört nicht der CDU, sondern den Bürgerinnen und Bürger im Land, was manche in der CDU anders sehen. Es ist eine neue Staatspartei entstanden, die sich das Land zur Beute gemacht hat. Zur Enthüllung des Transparents „Hier bestimmen Sie“ wurde nicht mal die Opposition eingeladen, das sagt alles über das Demokratieverständnis führender CDU-Politiker. Eigentlich wollen sie sagen: Hier bestimmt die CDU und sonst niemand!

Wie die Führungsriege der CDU tatsächlich denkt, hat sie gestern durch ihre Abwesenheit bei der Demonstration von viertausend Menschen vor dem Landtag gegen die von dieser Regierung zu verantwortenden Sozialkürzungen und in der dazugehörigen Landtagsdebatte deutlich gemacht.

Auf welche Weise sich die CDU vor Ort das Land zur Beute macht, kann man beispielhaft in der Sächsischen Schweiz sehen. Tourismusverband, Kreissportbund, Verkehrsverbund Oberelbe, der Verwaltungsrat der Sparkasse, wichtige Fußballvereine sind in der Hand von CDU-Mandatsträgern – und die Liste ist noch viel länger.

Der Vorwurf der faktischen Käuflichkeit des Ministerpräsident steht im Raum, und dazu muss er sich erklären. Die Unternehmer-Sponsoren wollten doch kein Foto mit dem CDU-Landesvorsitzenden, sondern mit dem Regierungschef unseres Landes. Herr Tillich ist durch die CDU-Sponsoringstrategie zumindest politisch befangen, das ist nicht hinnehmbar. Dass Herr Tillich im Gegensatz zu seinem nordrhein-westfälischen Amtskollegen Rüttgers eine Stellungnahme dem Parlament gegenüber verweigert, ist ein neuer Beleg für die Selbstherrlichkeit der neuen Staatspartei und ihres obersten Repräsentanten.

Wenn er so weitermacht, wird Herr Tillich eines Tages dafür bezahlen müssen, damit überhaupt noch jemand bereit ist, sich mit ihm fotografieren zu lassen.

Thema: Pressemitteilungen

Tillich und Unland wollten sich vor Debatte über Sozialkürzungen drücken – LINKE lassen sie herbeirufen

Mittwoch, 10. März 2010 | Autor: admin

Erst nach einem Antrag der Fraktion DIE LINKE auf Herbeirufung von Ministerpräsident und Finanzminister, dem eine Mehrheit der anwesenden Abgeordneten zustimmte, nahmen Ministerpräsident Tillich und Finanzminister Unland an der Debatte des Landtags über den Antrag von LINKEN und SPD „Keine Haushaltskonsolidierung auf Kosten von Kindern und Jugendlichen oder in anderen sozialen Bereichen“ teil. Dazu erklärt der Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE, Dr. André Hahn:

Die Hauptverantwortlichen für die Kürzungen der Jugendhilfe um ein Drittel und bisher in Sachsen beispiellose Einschnitte im Sozialbereich, die landesweiten Unmut ausgelöst haben, wollten sich drücken. Trotz einer Demonstration von viertausend Menschen vor dem Landtag und der Anwesenheit vieler interessierter Bürgerinnen und Bürger auf den Zuschauerrängen waren der Regierungschef, der die Richtlinienkompetenz am Kabinettstisch innehat, und der Finanzminister, der federführend für die Sozialkürzungen zeichnet, abgetaucht. Erst durch unseren Antrag wurden beide gezwungen, der Parlamentsdebatte über dieses Schlüsselthema für die Zukunft Sachsens beizuwohnen.

Morgen wollen Landtagspräsident und Staatskanzlei ein Großbanner vor dem Landtag aufhängen, auf dem steht: „Hier bestimmen Sie!“ Tatsächlich herrscht in diesem Hause zurzeit die Arroganz der Macht, die sich von der Bevölkerung nicht reinreden lassen will. Dass die Hälfte der Koalitionsabgeordneten nicht einmal anwesend war, als wir inmitten der Debatte über die Sozialkürzungen über die Herbeirufung der Regierungsspitze abstimmen ließen, spricht Bände. Doch durch die Abstimmung wurde die abgehobene Koalition unsanft auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.

Thema: Pressemitteilungen

Schwarz-Gelb tritt auf der Stelle, hat keine Orientierung und bietet keine Antworten – zu Haushaltseckwerten bis 2012

Mittwoch, 3. März 2010 | Autor: admin

Zu den vom schwarz-gelben Kabinett beschlossenen Eckwerten für den Doppelhaushalt 2011/2012 des Freistaates Sachsen erklärt der Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag, Dr. André Hahn:

Schwarz-Gelb tritt nach wie vor auf der Stelle: Nichts von dem, was heute verkündet wurde, ist neu – alle unverbindlichen Ankündigungen finden sich bereits als Grundsätze in der mittelfristigen Finanzplanung. Wo z. B. Einstellungsmöglichkeiten für junge Menschen geschaffen werden sollen, steht noch in den Sternen.

Schwarz-Gelb zeigt sich ausgerechnet in Krisenzeiten völlig orientierungslos: Das Kabinett ist zu keinerlei Prioritätensetzung in der Lage – damit wird das Kürzen nach dem Rasenmäher-Prinzip absehbar weitergehen. Der Ministerpräsident ist offenbar nicht fähig, seine Richtlinienkompetenz anzuwenden und Entscheidungen voranzubringen.

Schwarz-Gelb ist blind gegenüber der von sächsischer Regierungspolitik selbst verschuldeten Einschränkung des Gestaltungsspielraumes durch größenwahnsinnige Projekte wie zum Beispiel das Landesbank-Desaster mit 2,75 Milliarden Euro Verbindlichkeiten, das Milliarden-Grab City-Tunnel Leipzig oder auch die sich stetig verteuernde Waldschlösschenbrücke.

Herr Tillich drückt sich vor Antworten auf alle schwierigen Fragen – der anständigste Weg, um in seiner Diktion zu bleiben, wäre, endlich mit der Arbeit anzufangen. Kurzarbeit in der Krise ist mit Sicherheit keine Erfolgsstrategie für Kabinettsmitglieder!

Thema: Pressemitteilungen

Ministerpräsident muss vorm Landtag zu seiner Verstrickung in Sponsoring-Affäre Stellung nehmen

Montag, 1. März 2010 | Autor: admin

Der Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE, Dr. André Hahn, fordert Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) auf, bis zur Präsidiumssitzung des Parlaments am Mittwoch verbindlich mitzuteilen, dass er sich vor dem Sächsischen Landtag nächste Woche zu seiner Verstrickung in die Sponsoring-Affäre seiner Partei offiziell erklären wird:

Während Sachsens CDU-Generalsekretär Kretschmer in der Sponsoring-Affäre nach Kräften trickst und täuscht, wird der Schaden für das Amt des Ministerpräsidenten täglich größer: Bereits am 24.2. war in der „Freien Presse“ zu lesen, dass laut Kretschmer bei Sponsoring-Verträgen 3000 Euro „schon ein relativ hoher Betrag seien“ – mittlerweile sind bis zu 8000 Euro pro Unternehmens-Präsentation allein bei der heute Abend stattfindenden „Denkfabrik“ der sächsischen CDU bestätigt worden. „Im Gegenzug statte der Ministerpräsident den Info-Ständen einen Besuch ab“, zitierte die „Freie Presse“ am 24.2. den CDU-Generalsekretär, der mittlerweile behauptet, es sei nur vom „Landesvorsitzenden“ die Rede. Fakt ist:

Die „Leistung“, die der Sponsor, so Kretschmer im „Spiegel“, „bekommen“ müsse, besteht natürlich in einem Foto mit dem Ministerpräsidenten, das für die Unternehmenswerbung verwendet werden kann. Nicht ohne Grund gibt es ab „Präsentationsstufe 2“ das Anrecht auf ein Foto mit Tillich „zur freien Verwendung“. Damit wird das Amt des Ministerpräsidenten als kostenpflichtiger Werbeträger für einzelne Unternehmer missbraucht – zum finanziellen Nutzen der stärksten Regierungspartei. Das Problem ist auch nicht dadurch aus der Welt zu schaffen, dass der Name von Tillich künftig aus den Sponsoring-Verträgen raus gehalten wird, er aber natürlich weiterhin, um mit Herrn Kretschmer zu sprechen, zu den Unternehmens-Ständen geht, „Guten Tag und vielen Dank, dass Sie da sind“ sagt und sich wie bisher für Werbezwecke des Sponsors mit diesem ablichten lässt.

Nachdem der Ministerpräsident seit fünf Tagen zu den öffentlich kursierenden Sponsoring-Vorwürfen geschwiegen hat, ist ein Schaden für den Ruf Sachsens entstanden: Der Vorwurf der faktischen Käuflichkeit des obersten Repräsentanten des Freistaates im Interesse einer Partei steht im Raum. Diesem Vorwurf muss der Ministerpräsident genau vor dem Gremium entgegentreten, das ihn gewählt hat: dem Sächsischen Landtag. Daher fordere ich Herrn Tillich auf, sich verbindlich bereit zu erklären, vor dem Landtag den Abgeordneten von sich aus Rede und Antwort zu stehen, um den von ihm mit verursachten Glaubwürdigkeitsschaden für die Demokratie in Sachsen einzudämmen und solche Wiederholungstaten für die Zukunft auszuschließen.

Thema: Pressemitteilungen

Sitzung des LT-Präsidiums

Montag, 1. März 2010 | Autor: admin

24. März 2010
10:00bis13:00

Ort: Sächsischer Landtag

Thema: Terminkalender

Frühjahrsempfang der LT-Fraktion

Montag, 1. März 2010 | Autor: admin

22. März 2010
18:00bis22:00

Ort: Pirna

Thema: Terminkalender

Klausur der LT-Fraktion

Montag, 1. März 2010 | Autor: admin

22. März 2010
10:00bis18:00
23. März 2010
09:00bis18:00

Ort: Pirna

Thema: Terminkalender

Fußball-Hallenturnier

Montag, 1. März 2010 | Autor: admin

20. März 2010
12:00bis14:00

Ort: Wittichenau

Thema: Terminkalender

Sitzung des Innenausschusses

Montag, 1. März 2010 | Autor: admin

18. März 2010
10:00bis13:00

Ort: Sächsischer Landtag

Thema: Terminkalender

IHK-Jahresempfang

Montag, 1. März 2010 | Autor: admin

15. März 2010
13:00bis15:00

Ort: Chemnitz

Thema: Terminkalender

Beratung des Fraktionsvorstandes und des Geschäftsführenden Landesvorstandes

Montag, 1. März 2010 | Autor: admin

12. März 2010
16:00bis20:00

Thema: Terminkalender

Pressekonferenz

Montag, 1. März 2010 | Autor: admin

12. März 2010
11:00bis11:30

Thema: Terminkalender

Landtagssitzung

Montag, 1. März 2010 | Autor: admin

10. März 2010
10:00bis21:00
11. März 2010
10:00bis21:00
30. März 2010
10:00bis21:00
31. März 2010
10:00bis21:00

Ort: Sächsischer Landtag

Thema: Terminkalender

Parlamentarischer Abend des Ostdeutschen Sparkassenverbandes

Montag, 1. März 2010 | Autor: admin

9. März 2010
19:00bis21:00

Ort: Dresden

Thema: Terminkalender

Klausur der KT-Fraktion

Montag, 1. März 2010 | Autor: admin

5. März 2010
17:00bis22:00
6. März 2010
10:00bis16:00

Ort: Kreischa

Thema: Terminkalender

Telefoninterview mit der Universität Jena

Montag, 1. März 2010 | Autor: admin

4. März 2010
10:30bis11:30

Projekt: Parlamentarische Führungsgruppen”
Ort: Sächsischer Landtag

Thema: Terminkalender

Sitzung des LT-Präsidiums

Montag, 1. März 2010 | Autor: admin

3. März 2010
10:00bis13:00

Ort: Sächsischer Landtag

Thema: Terminkalender

Fraktionsveranstaltung: Von Blockaden, Menschenketten und Gedenken

Montag, 1. März 2010 | Autor: admin

2. März 2010
18:00bis21:00

Ort: Sächsischer Landtag

Thema: Terminkalender

Sitzung der LT-Fraktion

Montag, 1. März 2010 | Autor: admin

2. März 2010
10:00bis16:00
9. März 2010
10:00bis16:00
29. März 2010
10:00bis16:00

Ort: Sächsischer Landtag

Thema: Terminkalender

Zur “Geldfabrik CDU” mit Stanislaw Tillich

Montag, 1. März 2010 | Autor: admin

Zu aktuellen Berichten, dass sich die Sponsoring-Affäre der CDU auf Sachsen ausgeweitet hat, erklärt der Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag, Dr. André Hahn:

Dass sich die „Denkfabrik Sachsen“ als „Geldfabrik CDU“ entpuppt, ist zwar nicht wirklich überraschend. Dass aber auch der Ministerpräsident, der zugleich CDU-Landesvorsitzender ist, als Werbeträger in die Geldbeschaffungstaktik seiner Partei einbezogen ist, beschädigt sein Amt, zumal Sachsens CDU-Generalsekretär Kretschmer schon seit Tagen Probleme hat, in seinen Erklärungsversuchen beide Ämter auseinander zu halten.

Dass der Foto-Termin mit Herrn Tillich als Bestandteil des Produkt-Placements bei CDU-Veranstaltungen nur ein Kurzgespräch beinhaltet, ist kein entlastendes Indiz. Herr Tillich, der sich schon in der Öffentlichkeit kaum einmal ausführlich zu grundsätzlichen politischen Fragen äußert, wäre schlicht nicht zu einem politisierenden Hintergrundgespräch in der Lage. Ich fordere die CDU auf, alle Sponsoring-Verträge, an deren Umsetzung Herr Tillich mitgewirkt hat, offen zu legen.

Herr Tillich wollte Ministerpräsident aller Sachsen sein. Tatsächlich hat er sich zum Marketing-Fotomodell für einzelne Unternehmer gemacht. Damit muss Schluss sein!

Thema: Pressemitteilungen

Sitzung des Vorstandes der LT-Fraktion

Montag, 1. März 2010 | Autor: admin

1. März 2010
10:00bis16:00
8. März 2010
10:00bis15:30
16. März 2010
10:00bis16:00

Ort: Sächsischer Landtag

Thema: Terminkalender