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Rede während der Aktuellen Debatte auf Antrag von CDU und FDP zum Thema: „Die neue Bildungsempfehlung: Leistungsgerechtigkeit und Flexibilität für sächsische Schüler“

Mittwoch, 28. April 2010 | Autor: admin

013. Sitzung des 5. Sächsischen Landtages, 28.04.2010

Rede während der Aktuellen Debatte auf Antrag von CDU und FDP zum Thema: „Die neue Bildungsempfehlung: Leistungsgerechtigkeit und Flexibilität für sächsische Schüler“

Auszug Protokollmitschrift

Herr Präsident!
Meine sehr verehrten Damen und Herren!

Die von CDU und FDP beantragte Aktuelle Debatte ist dieses Mal wirklich aktuell, denn die vom Kultusminister kürzlich angekündigte deutliche Verschärfung der Zugangskriterien für das Gymnasium beschäftigt ohne Zweifel die Gemüter im Land. Ich denke, die Aufregung darüber besteht völlig zu Recht.

Wieder einmal allerdings wurde diese Entscheidung am Parlament vorbei getroffen. Durch diese Entscheidung werden die Berufs- und damit auch Lebensperspektiven Zehntausender junger Menschen in unserem Land massiv beeinträchtigt werden. Das ist die Wahrheit, Herr Bläsner. Das ist keine Schnellstraße, für viele Jugendliche ist es eine Einbahnstraße oder gar eine Sackgasse.

(Beifall bei der Linksfraktion und der Abg. Dr. Eva-Maria Stange, SPD)

Aus Sicht der Linken ist völlig klar: Wir brauchen in Sachsen nicht weniger, sondern wir brauchen deutlich mehr Abiturienten und auch mehr Studierende, wenn wir die Herausforderungen der Zukunft wirklich meistern wollen. CDU und FDP dagegen wollen offenbar das gegliederte Schulwesen erhalten, koste es, was es wolle. Wir halten einen solchen Kurs für unverantwortlich.

Was bedeuten denn die jüngsten Entscheidungen des Kultusministers im Kern, wenn sie um-gesetzt werden? Es werden in den kommenden Jahren deutlich weniger Jungen und Mädchen in der Klasse 4 eine Bildungsempfehlung für das Gymnasium erhalten. Die vermeintliche oder vielleicht tatsächliche Elite soll weiter unter sich bleiben, und zwar ab dem Alter von zehn bzw. elf Jahren.

Wer für einen solchen Kurs steht, das zeigen nicht zuletzt die heftigen bildungspolitischen Diskussionen, die wir gegenwärtig in Hamburg erleben. Dort ist es die FDP, die sjch massiv dagegen wehrt. Besser Verdienende und Superreiche in den Hamburger Nobel-Gegenden wehren sich mit allen Mitteln dagegen, dass es längeres gemeinsames Lernen in Hamburg gibt.
Die Hamburger Landesregierung wird bekanntlich von der CDU und den GRÜNEN gestellt.

(Johannes Lichdi, GRÜNE: Genau!)

Die wollen dort die viel zu frühe Trennung der Kinder nach der Klasse 4 beenden, und zwar mit Unterstützung der CDU. Die Gutbetuchten allerdings wollen am liebsten alles beim Alten lassen.

(Jürgen Gansel, NPD: Vor allem nicht mit Ausländerkindern unterrichtet werden! Das spielt auch eine Rolle.)

Die Bürgerinnen und Bürger in Hamburg werden in Kürze in einem Bürgerentscheid darüber entscheiden. Lassen Sie doch die Sachsen auch entscheiden, ob sie längeres gemeinsames Lernen wollen. Ich bin da sehr zuversichtlich.

(Beifall bei der Linksfraktion)

Wir haben Befragungen, die Ihnen auch bekannt sind, die besagen, dass 70 bis 80 % für ein längeres gemeinsames Lernen sind. Nur Sie von der CDU, insbesondere in Sachsen, verweigern sich dieser Realität.

Die Hamburger sind aufgeschlossen, weltoffen und fortschrittlich. Das allerdings kann man von der sächsischen Landesregierung nicht behaupten.

Im Übrigen reicht das Bündnis für längeres gemeinsames Lernen in Hamburg von der CDU über die GRÜNEN, die Sozialdemokraten bis hin zur LINKEN. Das ist eine wirklich breite Bewegung für eine Reform des Schulsystems. Wir wollen das. Man hat sich in Hamburg sogar ein von allen Parteien getragenes Plakat einigen können. Alle Parteien verwenden dort das gleiche Plakat für längeres gemeinsames Lernen. Die CDU hatte ein Problem damit, auf dem Plakat neben dem Logo der LINKEN das Logo ihrer Partei zu haben. Das hätte vielleicht auch bei uns den einen oder anderen Wähler irritiert. Nun haben also alle Parteien das gleiche Plakat mit ihrem jeweiligen Logo. Damit kann ich aber leben, wenn sich wirklich etwas verändert und nach vorn geht. In Sachsen ist das Gegenteil der Fall.

Meine Damen und Herren! Wir wollen das, was in Hamburg möglich und in anderen Ländern schon lange gang und gäbe ist, auch in Sachsen. Wir wollen hier ein längeres gemeinsames Lernen. Die hiesige CDU ist aber im vorigen Jahrhundert stehen geblieben. Das ist wahrlich kein Ruhmesblatt.

Zu den Details wird meine Kollegin Falken dann noch sprechen. Aber eines will ich schon fest-halten: Die von der hiesigen Koalition geplanten Veränderungen führen nicht nur dazu, dass immer weniger Kinder auf das Gymnasium gehen, sie bedeuten zugleich auch, dass für Spätentwickler künftig so gut wie keine Chance mehr vorhanden sein wird, die Hochschulreife zu erlangen.

(Zuruf von der CDU: Unsinn!)

Das ist im Übrigen nicht nur wegen der unzureichend vorgehaltenen zweiten Fremdsprache der Fall, Herr Kollege Herbst. Das wissen Sie ganz genau. Es geht auch um die verschärften Bildungsempfehlungen nach der Klasse 6. Wir meinen, das ist der falsche Weg.

Ich bin mir sicher, nicht nur wir als Linke, sondern die überwiegende Mehrzahl der Menschen im Land steht für längeres gemeinsames Lernen. Das und nichts anderes ist das Gebot der Stunde.

(Beifall bei der Linksfraktion und der Abg. Dr. Eva-Maria Stange und Thomas Jurk, SPD)

Thema: Reden

Sackgasse statt Schnellstraße – erschwerter Zugang zum Gymnasium rückwärtsgewandt / längeres gemeinsames Lernen!

Mittwoch, 28. April 2010 | Autor: admin

Zum von der CDU/FDP-Koalition gesetzten Thema der Aktuellen Debatte, „Die neue Bildungsempfehlung: Leistungsgerechtigkeit und Flexibilität für sächsische Schüler“, erklärt der Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag, Dr. André Hahn:

Die von einem offenkundig völlig rückwärtsgewandten Kultusminister vor wenigen Tagen verordnete deutliche Verschärfung der Zugangsbestimmungen zum Gymnasium beschäftigt ohne Zweifel die Gemüter im Land, und das völlig zurecht. Entgegen der Behauptung des FDP-Redners ist das kein Weg zur Schnellstraße, sondern für viele Jugendliche eine Sackgasse.

Durch diese wieder einmal am Parlament vorbei getroffene Entscheidung werden die Berufs- und damit auch Lebensperspektiven Zehntausender junger Menschen in unserem Land massiv beeinträchtigt. Aus Sicht der LINKEN ist völlig klar: Wir brauchen in Sachsen nicht weniger, sondern deutlich mehr Abiturienten und auch Studierende, wenn wir die Herausforderungen der Zukunft meistern wollen. CDU und FDP dagegen wollen offenbar das gegliederte Schulsystem erhalten, koste es, was es wolle. Wir halten einen solchen Kurs für unverantwortlich!

Was bedeuten die jüngsten Entscheidungen des Kultusministers denn im Kern? Zum einen werden nach der 4. Klasse in den kommenden Jahren deutlich weniger Jungen und Mädchen eine Bildungsempfehlung für das Gymnasium erhalten, als das bisher der Fall war.
Die vermeintliche oder zum Teil vielleicht sogar tatsächliche Elite der Schülerinnen und Schüler wird künftig also bereits im Alter von 10 oder 11 Jahren weitestgehend unter sich sein.

Wer für einen solchen Kurs steht, hat sich nicht zuletzt bei den heftigen Auseinandersetzungen in Hamburg gezeigt. Besserverdienende und Superreiche aus dem Umfeld der FDP bekämpfen dort mit nahezu allen Mitteln eine längst überfällige Schulreform, die den Weg für ein längeres gemeinsames Lernen freimachen will. Die Hamburger Landesregierung, die bekanntlich von CDU und Grünen gestellt wird, will die nach fast allen wissenschaftlichen Erkenntnissen viel zu frühe Trennung der Kinder endlich überwinden. Die Gutbetuchten dagegen wollen am liebsten alles beim Alten belassen.

In Kürze werden die Bürgerinnen und Bürger in Hamburg in einem Einwohnerentscheid darüber zu befinden haben, wie sie sich das künftige Schulsystem in ihrer Stadt vorstellen. Lassen wir doch die Sächsinnen und Sachsen über das längere gemeinsame Lernen abstimmen – alle Umfragen deuten darauf hin, dass sich 70 bis 80 Prozent für einen anderen Weg als den heute hier diskutierten entscheiden würden.

Thema: Pressemitteilungen

Wir gedenken aller Menschen, die im Krieg in Afghanistan ihr Leben verloren haben

Mittwoch, 28. April 2010 | Autor: admin

Zu der für Mittwoch durch den Landtagspräsidenten im Parlamentspräsidium angekündigten Gedenkminute für die in Afghanistan getöteten deutschen Soldaten erklären die Vorsitzenden der Landtagsfraktion und des Landesverbandes der LINKEN in Sachsen, Dr. André Hahn und Rico Gebhardt:

Der Landtagspräsident hat im Präsidium angekündigt, dass die morgige Landtagssitzung mit einer Gedenkminute für die in Afghanistan getöteten deutschen Soldaten beginnen wird. Wir als Linke werden uns an dieser Gedenkminute selbstverständlich beteiligen und gedenken dabei ausdrücklich aller Menschen, die im Krieg in Afghanistan ums Leben gekommen sind.

Wir bleiben bei unserer Auffassung, dass dieser Krieg so schnell wie möglich beendet und die Bundeswehr aus Afghanistan abgezogen werden muss.

Thema: Pressemitteilungen

Rede zur Eröffnung der Denkwerkstatt der Landtagsfraktion der sächsischen LINKEN am 22. April 2010 in Dresden

Freitag, 23. April 2010 | Autor: admin

Es gilt das gesprochene Wort!

Das Jahr 2009 war ein so genanntes Super-Wahljahr mit diversen Kommunal-, mit Europa-, mit mehreren Landtagswahlen und schließlich auch mit Wahlen zum Deutschen Bundestag.
Besorgniserregend war dabei die immer weiter zurückgehende Beteiligung der Menschen.
Bei den Wahlen für die Stadt- und Gemeinderäte lag die Wahlbeteiligung deutlich unter 50 Prozent, bei der Landtagswahl nur knapp darüber.
Bei der Bundestagswahl schließlich gingen noch zwei Drittel an die Urnen, das waren aber knapp 11 Prozent weniger als noch vor vier Jahren.

1989/90 war die Forderung nach freien und geheimen Wahlen, nach einer wirklichen Auswahl-möglichkeit unter den politischen Parteien eines der zentralen Kernthemen in der Endzeit der DDR, und das nicht nur seitens der Bürgerbewegungen und neuen politischen Kräfte.
Heute, zwanzig Jahre später muss man konstatieren, dass im Osten selbst bei wirklich wichti-gen Wahlen im Schnitt jeder Zweite zu Hause bleibt, und dieser Negativtrend verstärkt sich eher noch.

Eine solche Entwicklung kann und darf die Politik nicht ignorieren, zumal durch eine derart ge-ringe Wahlbeteiligung auch Fragen nach der tatsächlichen Legitimation der Gewählten und da-mit letztlich auch der Legitimation von Regierenden aufkommen, und das – wie ich finde –
völlig zu Recht.
Es muss endlich wirklich offen über die Ursachen geredet werden, die zu einer solchen Politik- oder gar Demokratieverdrossenheit geführt haben. Ein „Weiter So!“ in den Parteizentralen oder auch in den Parlamenten könnte über kurz oder lang verheerende Folgen haben. Ich persönlich denke, wir haben zum Umsteuern nicht mehr viel Zeit.

Die Unzufriedenheit mit den politischen Verantwortungsträgern nimmt tendenziell immer mehr zu und das Vertrauen in die Politik nimmt immer mehr ab.

Die Hauptschuld daran trägt die Politik selbst. Es sind nicht die Medien, die dieses Bild produzieren. Presse, Rundfunk und Fernsehen überzeichnen bisweilen sicher manchmal, nicht alle Journalisten sind immer völlig objektiv und parteipolitisch neutral, aber Fakt ist doch:
Sie berichten in aller Regel über real stattfindende Vorgänge, über parteiinterne Querelen, über Zerwürfnisse und Personaldebatten in den Parlamentsfraktionen, über Versprechen vor und die tatsächliche Politik nach der Wahl, über Koalitionskrisen wegen Kompetenzgerangel und Profilierungssucht, über fachlich inkompetente Äußerungen von Regierungsvertretern und völlig überzogene Forderungen von Oppositionspolitikern, über skrupellose Karrieristen und leider auch über Korruption und Machtmissbrauch der Herrschenden.

Unser derzeitiges politisches System ist untrennbar mit der Existenz politischer Parteien ver-bunden, so dass die Frage nach der Effizienz, der Wirksamkeit und der öffentlichen Akzeptanz der Parlamente ganz wesentlich vom jeweiligen Zustand der real existierenden Parteien abhängig ist, und dieser Zustand ist stark verbesserungswürdig, um es vorsichtig zu formulieren.
Dennoch denken die großen Parteien nicht im Traum daran, etwas von ihrer Macht abzugeben, oder – wie es die ehemalige FDP-Politikerin Hildegard Hamm-Brücher einmal formulierte: „Alle Macht geht vom Volke aus und kehrt nie wieder dahin zurück.“

Plebiszitäre Elemente wie einen Volksentscheid sieht das Grundgesetz unseres Landes mit Ausnahme bei der Zusammenlegung von Bundesländern gar nicht erst vor, selbst existenzielle Fragen der europäischen Einigung, konkret die Verträge von Maastricht und Lissabon wurden über die Köpfe der Menschen hinweg entschieden. Dabei haben doch Bürgerbefragungen in Frankreich, Dänemark oder auch Irland gezeigt, dass die Menschen sehr wohl imstande sind zu entscheiden, welchen politischen Kurs sie einschlagen möchten.

Überhaupt geht es in entscheidenden Bereichen der Gesellschaft immer weniger nach Kompe-tenz als nach Parteibuch. Über die Besetzung von Schlüsselstellen in Aufsichtsräten der Wirtschaft, in den Medien, im Schulbereich, in den Institutionen der Judikative oder den wichtigen Gremien kommunaler Einrichtungen – vom Klinikdirektor über den Sparkassen-Leiter bis hin zum Chef der städtischen Wasserwerke – entscheiden letztendlich nahezu ausschließlich die Parteien. Da deren Zustand aber zunehmend prekärer wird, gerät auch das politische System insgesamt ins Wanken.
Gegenwärtig vermögen weder Außenstehende noch Insider kaum zu erkennen, dass die Politiker im fairen Meinungsstreit gemeinsam nach den besten Lösungen für anstehende Probleme suchen. Sachfragen treten mehr und mehr in den Hintergrund. Häufig geht es allein um den puren Machterhalt. Allein aus Sachsen könnte ich dazu Dutzende Beispiele anführen.
Die Einbindung in Koalitions- und Fraktionszwänge hat inzwischen Ausmaße angenommen, die zunehmend selbst von vielen Parlamentariern als unerträglich empfunden werden. Inzwischen wird beispielsweise im Deutschen Bundestag vor speziellen Abstimmungen ganz unverblümt bekannt gegeben, dass dieses Mal der Fraktionszwang aufgehoben sei, sprich jeder Abgeordnete frei entscheiden könne. Die Regel der unbeschränkten Gewissensfreiheit, wie sie die Mütter und Väter des Grundgesetzes formulierten, ist zur Ausnahme mutiert.

In der ersten Legislaturperiode nach der deutschen Einheit gab es im Bundestag mehrere tausend Abstimmungen. Ganze drei davon waren offiziell freigegeben, nämlich die Hauptstadtfrage Bonn/Berlin sowie die Neuregelung des Schwangerschaftsabbruchs und des Asylrechts.

Aber zurück in die jüngste Zeit. Was haben wir in den letzten Jahren und Monaten nicht alles erlebt: Gebrochene Wahlversprechen en gros. Der wohl dreisteste Fall war die Mehrwertsteuer-Lüge der Bundestagswahl von 2005. Die CDU redete im Wahlkampf immerhin von zwei Prozent Anhebung, die Sozialdemokraten erklärten, mit ihnen werde es keinerlei Erhöhung geben. Dann bildeten beide eine Große Koalition und hoben die Mehrwertsteuer um sage und schreibe drei Prozent an.
Die einst so große und vor allen Dingen auch stolze Volkspartei SPD befindet nach der Agenda 2010 von Gerhard Schröder in einem dramatischen Niedergang, über den sich niemand freuen kann, der für einen nachhaltigen Politikwechsel in Deutschland arbeitet. Wir als LINKE tun das bekanntlich.
Hartz IV, die Anhebung des Renteneintrittsalters auf 67 und andere vergleichbare Entscheidun-gen haben der SPD ihre Seele geraubt, und ganz nebenbei verlor die Partei auch noch hundert-tausende Mitglieder.
Da gab es in Hessen eine Mehrheit für Rot-Rot-Grün, die nicht zum Tragen kommen durfte, weil die SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti sich vor der Wahl zur der Aussage hatte verleiten lassen, auf keinen Fall mit der LINKEN zusammenzuarbeiten.
So blieb der eigentlich abgewählte CDU-Ministerpräsident Koch weiter im Amt, und als Frau Ypsilanti dann doch eine andere Regierung bilden wollte, fielen ihr vier Abgeordnete aus der eigenen Fraktion in den Rücken und verhinderten den Machtwechsel. Die Neuwahlen wurden für die hessische SPD ein Debakel, und Koch führt noch immer die Regierung in Wiesbaden.

In Thüringen gab es im letzten Herbst eine Mehrheit für Rot-Rot, die unter Einbeziehung der Grünen sogar richtig komfortabel gewesen wäre.
Christoph Matschie, der im Wahlkampf als Hauptziel die Ablösung der CDU propagierte, war nach der Wahl dann aber doch wichtiger, den ersten Ministerpräsidenten der LINKEN zu verhindern, anstatt die CDU endlich in die Opposition zu schicken und ganz nebenbei auch noch die Einflussmöglichkeiten der SPD im Bundesrat zu erhöhen.

In wenigen Tagen gibt es die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen. Doch anstatt aus Hessen gelernt zu haben, geben Herr Beck und Frau Kraft in aktuellen Interviews nun erneut die Ypsi-lanti und nehmen damit in Kauf, dass es in NRW auch in den kommenden fünf Jahren einen CDU-Ministerpräsidenten geben wird. Man fragt sich, was eigentlich noch passieren muss, ehe die Sozialdemokraten wirklich wieder einen klaren Kurs fahren.
Die CDU hat ein klares Ziel. Sie will die Regierung führen, im Bund wie in den Ländern. Der SPD aber ist im Zweifel die Juniorpartnerschaft unter einem CDU-MP lieber als eine Koalition mit der LINKEN.
Und dies selbst dann, wenn sie wie in Hessen oder NRW dabei den Ministerpräsidenten stellen könnte. Ich finde das schlichtweg absurd!

Genauso absurd finden es viele Wählerinnen und Wähler, und die meisten können im Übrigen auch nicht begreifen, dass man in NRW und leider auch hier bei uns in Sachsen bei der CDU einen Ministerpräsidenten für ein Foto und oder ein Gespräch quasi vermietet, um die Parteikassen aufzufüllen. Wo sind wir eigentlich hingekommen?

Wenn man all das und vieles mehr Revue passieren lässt, dann kommt man nicht umhin festzustellen: Das deutsche Parteiensystem befindet sich seit Jahren in einer tiefen Krise und dar-unter leidet fast zwangläufig auch die Akzeptanz unserer parlamentarischen Demokratie.

Doch was ist die Alternative? Statt der Wahl von Parteien die reine Personenwahl, also nur die Vergabe von Direktmandaten? Dann säßen im Sächsischen Landtag 58 Abgeordnete der CDU und zwei von den LINKEN. Spiegelt das die tatsächliche Vielfalt in der Gesellschaft wirklich wieder?
Und führt das nicht dazu, dass diejenigen gewählt werden, die im Wahlkampf durch Sponsoren und Medien besonders unterstützt werden? Ähnlich problematisch wäre die Einführung eines reinen Mehrheitswahlrechts, wie es beispielsweise in England eine lange Tradition hat.

Aber Fakt ist: Es muss sich spürbar etwas ändern. Wenn die Parteien nicht auf den zunehmen-den Frust und auf die Wahlverweigerung reagieren, dann werden immer mehr Menschen ihnen den Rücken kehren.
Über solche und viele andere Fragen wollen wir in der neuen Denkwerkstatt der Landtagsfrakti-on der LINKEN diskutieren, deren Gründung ganz maßgeblich auf die Initiative von Prof. Gerhard Besier zurückgeht, der als Abgeordneter im Landtag dem Ausschuss für Wissenschaft, Hochschulen, Kultur und Medien vorsteht.

Wir wollen Sachsens Zukunft von LINKS denken, aber dieses Nach-Denken nicht in den engen Grenzen unserer Partei vollziehen. Wir wollen zu einem neuen Diskurs anregen, und sind offen für Anregungen linker Intellektueller, egal wo sie sich selbst parteipolitisch verorten.

Viele der heute hier Anwesenden sind sich sicher darin einig, dass die seit 20 Jahren anhaltende Vorherrschaft der CDU in Sachsen immer weniger mit objektiven wirtschaftlichen und schon gar nicht mit sozialen Vorzügen des Freistaats gegenüber anderen ostdeutschen Bundesländern zu tun hat, sondern mit einem Politik-Mythos nach bayerischem Vorbild der CSU, der zwar inzwischen hier wie dort bröckelt, aber noch nicht zusammengebrochen ist.

Deshalb ist es notwendig, die Auseinandersetzung mit der herrschenden konservativen Politik nicht nur in Form einer tagespolitischen Abrechnung der jeweils aktuell zutage tretenden Fehler und Defizite zu führen, sondern den Kampf um die geistige Hegemonie im Lande zu suchen und dabei auch mit den Menschen aus den derzeitigen Funktionseliten ins Gespräch zu kom-men, denen das intellektuelle Niveau der die Regierung tragenden Fraktionen und der dahinter stehenden Parteiapparate einfach zu niedrig ist.
Es geht uns daher auch nicht darum, einfach dem Comenius-Club der CDU-Fraktion Konkur-renz zu machen.
Denn dessen gesellschaftlicher Hauptzweck ist das Sehen und gesehen werden der oberen Fünfhundert aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung, garniert von stramm konservativen Predigtangeboten.
Wir entscheiden uns bewusst für ein anderes Format, „klein, aber fein“, und wollen uns in diesem Sinne im Laufe der Legislaturperiode nicht als x-ter Politik-Event neben unzähligen anderen, sondern als echter Geheimtipp etablieren. Deshalb sollte unser Profil auch nicht das plum-pe ideologische Gegenstück sein, sozusagen stramm links, sondern anders, offener und auch spannender.

Wir haben uns in der Fraktion dafür entschieden, den Göttinger Politik-Wissenschaftler Prof. Franz Walter für die Premiere unserer Denkwerkstatt nach Dresden einzuladen. Sein Thema lautet „Parteien in der Krise - Parlamente ohne Macht? Oder: Wie man mehr Leben in den Landtag und die Demokratie in Sachsen bringen kann!” Dieses Thema greift die bohrenden Selbstzweifel der meisten politisch Engagierten, ganz gleich welcher Partei sie sich zugehörig fühlen, auf und bringt das Fragen nach dem Sinn unseres politischen Tuns auf den Punkt. Das ist – wie ich finde – ein guter Beginn für den schrittweisen Aufbau unserer Fraktions-Denkwerkstatt.
Dass der erste Referent nicht nur ein ambitionierter Parteienforscher, sondern zugleich SPD-Mitglied ist, ordnet bereits mit der Start-Veranstaltung unser neues Projekt ein in die mittel- und langfristige Arbeit an der Herbeiführung von Wechselstimmung im Land. Wenn wir Sachsens Zukunft von LINKS denken wollen, um sie von links gestalten zu können, also den Gedanken zum Wort und das Wort zur Tat werden zu lassen, brauchen wir alle guten Ideen und die gesammelte politische Leidenschaft aller Menschen, die es auf aufgeklärte Weise mit Sachsen gut meinen. In diesem Sinne heiße ich Sie alle ganz herzlich willkommen!

Thema: Reden

Rede zur Eröffnung der Denkwerkstatt der Landtagsfraktion der sächsischen LINKEN am 22. April 2010 in Dresden

Donnerstag, 22. April 2010 | Autor: admin

Rede zur Eröffnung der Denkwerkstatt der Landtagsfraktion der sächsischen LINKEN am 22. April 2010 in Dresden
Es gilt das gesprochene Wort!
Das Jahr 2009 war ein so genanntes Super-Wahljahr mit diversen Kommunal-, mit Europa-, mit mehreren Landtagswahlen und schließlich auch mit Wahlen zum Deutschen Bundestag.
Besorgniserregend war dabei die immer weiter zurückgehende Beteiligung der Menschen.
Bei den Wahlen für die Stadt- und Gemeinderäte lag die Wahlbeteiligung deutlich unter 50 Prozent, bei der Landtagswahl nur knapp darüber.
Bei der Bundestagswahl schließlich gingen noch zwei Drittel an die Urnen, das waren aber knapp 11 Prozent weniger als noch vor vier Jahren.
1989/90 war die Forderung nach freien und geheimen Wahlen, nach einer wirklichen Auswahlmöglichkeit unter den politischen Parteien eines der zentralen Kernthemen in der Endzeit der DDR, und das nicht nur seitens der Bürgerbewegungen und neuen politischen Kräfte.
Heute, zwanzig Jahre später muss man konstatieren, dass im Osten selbst bei wirklich wichtigen Wahlen im Schnitt jeder Zweite zu Hause bleibt, und dieser Negativtrend verstärkt sich eher noch.
Eine solche Entwicklung kann und darf die Politik nicht ignorieren, zumal durch eine derart geringe Wahlbeteiligung auch Fragen nach der tatsächlichen Legitimation der Gewählten und damit letztlich auch der Legitimation von Regierenden aufkommen, und das – wie ich finde – völlig zu Recht.
Es muss endlich wirklich offen über die Ursachen geredet werden, die zu einer solchen Politik- oder gar Demokratieverdrossenheit geführt haben. Ein „Weiter So!“ in den Parteizentralen oder auch in den Parlamenten könnte über kurz oder lang verheerende Folgen haben. Ich persönlich denke, wir haben zum Umsteuern nicht mehr viel Zeit.
Die Unzufriedenheit mit den politischen Verantwortungsträgern nimmt tendenziell immer mehr zu und das Vertrauen in die Politik nimmt immer mehr ab.
Die Hauptschuld daran trägt die Politik selbst. Es sind nicht die Medien, die dieses Bild produzieren. Presse, Rundfunk und Fernsehen überzeichnen bisweilen sicher manchmal, nicht alle Journalisten sind immer völlig objektiv und parteipolitisch neutral, aber Fakt ist doch:
Sie berichten in aller Regel über real stattfindende Vorgänge, über parteiinterne Querelen, über Zerwürfnisse und Personaldebatten in den Parlamentsfraktionen, über Versprechen vor und die tatsächliche Politik nach der Wahl, über Koalitionskrisen wegen Kompetenzgerangel und Profilierungssucht, über fachlich inkompetente Äußerungen von Regierungsvertretern und völlig überzogene Forderungen von Oppositionspolitikern, über skrupellose Karrieristen und leider auch über Korruption und Machtmissbrauch der Herrschenden.

Unser derzeitiges politisches System ist untrennbar mit der Existenz politischer Parteien verbunden, so dass die Frage nach der Effizienz, der Wirksamkeit und der öffentlichen Akzeptanz der Parlamente ganz wesentlich vom jeweiligen Zustand der real existierenden Parteien abhängig ist, und dieser Zustand ist stark verbesserungswürdig, um es vorsichtig zu formulieren.
Dennoch denken die großen Parteien nicht im Traum daran, etwas von ihrer Macht abzugeben, oder – wie es die ehemalige FDP-Politikerin Hildegard Hamm-Brücher einmal formulierte: „Alle Macht geht vom Volke aus und kehrt nie wieder dahin zurück.“
Plebiszitäre Elemente wie einen Volksentscheid sieht das Grundgesetz unseres Landes mit Ausnahme bei der Zusammenlegung von Bundesländern gar nicht erst vor, selbst existenzielle Fragen der europäischen Einigung, konkret die Verträge von Maastricht und Lissabon wurden über die Köpfe der Menschen hinweg entschieden. Dabei haben doch Bürgerbefragungen in Frankreich, Dänemark oder auch Irland gezeigt, dass die Menschen sehr wohl imstande sind zu entscheiden, welchen politischen Kurs sie einschlagen möchten.
Überhaupt geht es in entscheidenden Bereichen der Gesellschaft immer weniger nach Kompetenz als nach Parteibuch. Über die Besetzung von Schlüsselstellen in Aufsichtsräten der Wirtschaft, in den Medien, im Schulbereich, in den Institutionen der Judikative oder den wichtigen Gremien kommunaler Einrichtungen – vom Klinikdirektor über den Sparkassen-Leiter bis hin zum Chef der städtischen Wasserwerke – entscheiden letztendlich nahezu ausschließlich die Parteien. Da deren Zustand aber zunehmend prekärer wird, gerät auch das politische System insgesamt ins Wanken.
Gegenwärtig vermögen weder Außenstehende noch Insider kaum zu erkennen, dass die Politiker im fairen Meinungsstreit gemeinsam nach den besten Lösungen für anstehende Probleme suchen. Sachfragen treten mehr und mehr in den Hintergrund. Häufig geht es allein um den puren Machterhalt. Allein aus Sachsen könnte ich dazu Dutzende Beispiele anführen.
Die Einbindung in Koalitions- und Fraktionszwänge hat inzwischen Ausmaße angenommen, die zunehmend selbst von vielen Parlamentariern als unerträglich empfunden werden. Inzwischen wird beispielsweise im Deutschen Bundestag vor speziellen Abstimmungen ganz unverblümt bekannt gegeben, dass dieses Mal der Fraktionszwang aufgehoben sei, sprich jeder Abgeordnete frei entscheiden könne. Die Regel der unbeschränkten Gewissensfreiheit, wie sie die Mütter und Väter des Grundgesetzes formulierten, ist zur Ausnahme mutiert.
In der ersten Legislaturperiode nach der deutschen Einheit gab es im Bundestag mehrere tausend Abstimmungen. Ganze drei davon waren offiziell freigegeben, nämlich die Hauptstadtfrage Bonn/Berlin sowie die Neuregelung des Schwangerschaftsabbruchs und des Asylrechts.
Aber zurück in die jüngste Zeit. Was haben wir in den letzten Jahren und Monaten nicht alles erlebt: Gebrochene Wahlversprechen en gros. Der wohl dreisteste Fall war die Mehrwertsteuer-Lüge der Bundestagswahl von 2005. Die CDU redete im Wahlkampf immerhin von zwei Prozent Anhebung, die Sozialdemokraten erklärten, mit ihnen werde es keinerlei Erhöhung geben. Dann bildeten beide eine Große Koalition und hoben die Mehrwertsteuer um sage und schreibe drei Prozent an.
Die einst so große und vor allen Dingen auch stolze Volkspartei SPD befindet nach der Agenda 2010 von Gerhard Schröder in einem dramatischen Niedergang, über den sich niemand freuen kann, der für einen nachhaltigen Politikwechsel in Deutschland arbeitet. Wir als LINKE tun das bekanntlich.
Hartz IV, die Anhebung des Renteneintrittsalters auf 67 und andere vergleichbare Entscheidungen haben der SPD ihre Seele geraubt, und ganz nebenbei verlor die Partei auch noch hunderttausende Mitglieder.
Da gab es in Hessen eine Mehrheit für Rot-Rot-Grün, die nicht zum Tragen kommen durfte, weil die SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti sich vor der Wahl zur der Aussage hatte verleiten lassen, auf keinen Fall mit der LINKEN zusammenzuarbeiten.
So blieb der eigentlich abgewählte CDU-Ministerpräsident Koch weiter im Amt, und als Frau Ypsilanti dann doch eine andere Regierung bilden wollte, fielen ihr vier Abgeordnete aus der eigenen Fraktion in den Rücken und verhinderten den Machtwechsel. Die Neuwahlen wurden für die hessische SPD ein Debakel, und Koch führt noch immer die Regierung in Wiesbaden.
In Thüringen gab es im letzten Herbst eine Mehrheit für Rot-Rot, die unter Einbeziehung der Grünen sogar richtig komfortabel gewesen wäre.
Christoph Matschie, der im Wahlkampf als Hauptziel die Ablösung der CDU propagierte, war nach der Wahl dann aber doch wichtiger, den ersten Ministerpräsidenten der LINKEN zu verhindern, anstatt die CDU endlich in die Opposition zu schicken und ganz nebenbei auch noch die Einflussmöglichkeiten der SPD im Bundesrat zu erhöhen.
In wenigen Tagen gibt es die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen. Doch anstatt aus Hessen gelernt zu haben, geben Herr Beck und Frau Kraft in aktuellen Interviews nun erneut die Ypsilanti und nehmen damit in Kauf, dass es in NRW auch in den kommenden fünf Jahren einen CDU-Ministerpräsidenten geben wird. Man fragt sich, was eigentlich noch passieren muss, ehe die Sozialdemokraten wirklich wieder einen klaren Kurs fahren.
Die CDU hat ein klares Ziel. Sie will die Regierung führen, im Bund wie in den Ländern. Der SPD aber ist im Zweifel die Juniorpartnerschaft unter einem CDU-MP lieber als eine Koalition mit der LINKEN.
Und dies selbst dann, wenn sie wie in Hessen oder NRW dabei den Ministerpräsidenten stellen könnte. Ich finde das schlichtweg absurd!
Genauso absurd finden es viele Wählerinnen und Wähler, und die meisten können im Übrigen auch nicht begreifen, dass man in NRW und leider auch hier bei uns in Sachsen bei der CDU einen Ministerpräsidenten für ein Foto und oder ein Gespräch quasi vermietet, um die Parteikassen aufzufüllen. Wo sind wir eigentlich hingekommen?
Wenn man all das und vieles mehr Revue passieren lässt, dann kommt man nicht umhin festzustellen: Das deutsche Parteiensystem befindet sich seit Jahren in einer tiefen Krise und darunter leidet fast zwangläufig auch die Akzeptanz unserer parlamentarischen Demokratie.
Doch was ist die Alternative? Statt der Wahl von Parteien die reine Personenwahl, also nur die Vergabe von Direktmandaten? Dann säßen im Sächsischen Landtag 58 Abgeordnete der CDU und zwei von den LINKEN. Spiegelt das die tatsächliche Vielfalt in der Gesellschaft wirklich wieder?
Und führt das nicht dazu, dass diejenigen gewählt werden, die im Wahlkampf durch Sponsoren und Medien besonders unterstützt werden? Ähnlich problematisch wäre die Einführung eines reinen Mehrheitswahlrechts, wie es beispielsweise in England eine lange Tradition hat.
Aber Fakt ist: Es muss sich spürbar etwas ändern. Wenn die Parteien nicht auf den zunehmenden Frust und auf die Wahlverweigerung reagieren, dann werden immer mehr Menschen ihnen den Rücken kehren.
Über solche und viele andere Fragen wollen wir in der neuen Denkwerkstatt der Landtagsfraktion der LINKEN diskutieren, deren Gründung ganz maßgeblich auf die Initiative von Prof. Gerhard Besier zurückgeht, der als Abgeordneter im Landtag dem Ausschuss für Wissenschaft, Hochschulen, Kultur und Medien vorsteht.
Wir wollen Sachsens Zukunft von LINKS denken, aber dieses Nach-Denken nicht in den engen Grenzen unserer Partei vollziehen. Wir wollen zu einem neuen Diskurs anregen, und sind offen für Anregungen linker Intellektueller, egal wo sie sich selbst parteipolitisch verorten.
Viele der heute hier Anwesenden sind sich sicher darin einig, dass die seit 20 Jahren anhaltende Vorherrschaft der CDU in Sachsen immer weniger mit objektiven wirtschaftlichen und schon gar nicht mit sozialen Vorzügen des Freistaats gegenüber anderen ostdeutschen Bundesländern zu tun hat, sondern mit einem Politik-Mythos nach bayerischem Vorbild der CSU, der zwar inzwischen hier wie dort bröckelt, aber noch nicht zusammengebrochen ist.
Deshalb ist es notwendig, die Auseinandersetzung mit der herrschenden konservativen Politik nicht nur in Form einer tagespolitischen Abrechnung der jeweils aktuell zutage tretenden Fehler und Defizite zu führen, sondern den Kampf um die geistige Hegemonie im Lande zu suchen und dabei auch mit den Menschen aus den derzeitigen Funktionseliten ins Gespräch zu kommen, denen das intellektuelle Niveau der die Regierung tragenden Fraktionen und der dahinter stehenden Parteiapparate einfach zu niedrig ist.
Es geht uns daher auch nicht darum, einfach dem Comenius-Club der CDU-Fraktion Konkurrenz zu machen.
Denn dessen gesellschaftlicher Hauptzweck ist das Sehen und gesehen werden der oberen Fünfhundert aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung, garniert von stramm konservativen Predigtangeboten.
Wir entscheiden uns bewusst für ein anderes Format, „klein, aber fein“, und wollen uns in diesem Sinne im Laufe der Legislaturperiode nicht als x-ter Politik-Event neben unzähligen anderen, sondern als echter Geheimtipp etablieren. Deshalb sollte unser Profil auch nicht das plumpe ideologische Gegenstück sein, sozusagen stramm links, sondern anders, offener und auch spannender.
Wir haben uns in der Fraktion dafür entschieden, den Göttinger Politik-Wissenschaftler Prof. Franz Walter für die Premiere unserer Denkwerkstatt nach Dresden einzuladen. Sein Thema lautet „Parteien in der Krise - Parlamente ohne Macht? Oder: Wie man mehr Leben in den Landtag und die Demokratie in Sachsen bringen kann!” Dieses Thema greift die bohrenden Selbstzweifel der meisten politisch Engagierten, ganz gleich welcher Partei sie sich zugehörig fühlen, auf und bringt das Fragen nach dem Sinn unseres politischen Tuns auf den Punkt. Das ist – wie ich finde – ein guter Beginn für den schrittweisen Aufbau unserer Fraktions-Denkwerkstatt.
Dass der erste Referent nicht nur ein ambitionierter Parteienforscher, sondern zugleich SPD-Mitglied ist, ordnet bereits mit der Start-Veranstaltung unser neues Projekt ein in die mittel- und langfristige Arbeit an der Herbeiführung von Wechselstimmung im Land. Wenn wir Sachsens Zukunft von LINKS denken wollen, um sie von links gestalten zu können, also den Gedanken zum Wort und das Wort zur Tat werden zu lassen, brauchen wir alle guten Ideen und die gesammelte politische Leidenschaft aller Menschen, die es auf aufgeklärte Weise mit Sachsen gut meinen. In diesem Sinne heiße ich Sie alle ganz herzlich willkommen!

Thema: Reden

Tillich / Unland völlig nichtssagend – LINKE fordern von Staatsregierung transparentes Verfahren bei Etat-Planung

Donnerstag, 22. April 2010 | Autor: admin

Zur heutigen Pressekonferenz von Ministerpräsident Tillich und Finanzminister Unland erklärt der Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag, Dr. André Hahn:

Zu nichts kann man nichts sagen. Entweder hat die schwarz-gelbe Koalition überhaupt keinen Plan, mit den zum Teil von ihr mitverschuldeten Einnahmeausfällen des Freistaates Sachsen und seiner Kommunen umzugehen. Oder sie will bis Juni kurz vor dem Sommerferien die Öffentlichkeit mit nichtssagenden Erklärungen hinhalten. Beides wäre gleichermaßen fatal für das Land.

Wir fordern ein transparentes Verfahren, bei dem die Öffentlichkeit über den jeweiligen Stand der Planungen in den Ministerien bei der Entwicklung der Haushalts-Eckwerte auf dem Laufenden gehalten wird, damit sich – wie bei jedem Planverfahren, in dem es um viel weniger weitreichende Vorhaben geht – Träger öffentlicher Belange, Betroffene und Interessierte zu Wort melden können.

Thema: Pressemitteilungen

Steuer-Streit von Tillich und Morlok ist absurd – Sachsen braucht Mindestlöhne und Geld für Bildungs- und Sozialbereich

Mittwoch, 14. April 2010 | Autor: admin

Zu den heutigen widersprüchlichen Wortmeldungen des sächsischen Ministerpräsidenten Tillich (CDU) und seines Stellvertreters Morlok (FDP) zu dem jüngsten FDP-Vorstoß für weitere Steuersenkungen erklärt der Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag, Dr. André Hahn:

Im Niedriglohn-Land Sachsen besteht das Hauptproblem von Berufstätigen nicht darin, dass ihnen zu viel vom Staat weggenommen wird, sondern dass sie generell zu wenig Lohn für ihre Arbeit erhalten. Insofern ist es absurd, dass sich schwarz-gelbe sächsische Regierungspolitiker nicht mit Mindestlohn-Initiativen, sondern in Scheingefechten mit so genannten Steuerreformen befassen.

Herr Tillich sollte aber aufhören, die Unschuld vom Lande zu mimen, schließlich hat er mit seiner Zustimmung zum „Wachstumsbeschleunigungsgesetz“ dem Freistaat Einnahmeausfälle in dreistelliger Millionenhöhe zugemutet, die auf den Rücken der Kinder- und Jugendarbeit und von zahlreichen anderen Sozialprojekten abgewälzt werden.

Die Staatsregierung sollte schleunigst ihre eigenen Hausaufgaben machen und sagen, wie sie mit einem Minus von 1,7 Milliarden Euro im nächsten Jahr so umgeht, dass nicht das soziale Gefüge in unserem Land zusammenbricht und der Bildungsnotstand ausgerufen werden muss. Da wird jeder Cent gebraucht – für Steuergeschenke gibt es keinen Spielraum!

Thema: Pressemitteilungen

14. Sitzung des 5. Sächsischen Landtages

Mittwoch, 7. April 2010 | Autor: admin

29. April 2010
10:00bis19:00

Thema: Terminkalender

13. Sitzung des 5. Sächsischen Landtages

Mittwoch, 7. April 2010 | Autor: admin

28. April 2010
10:00bis19:00

Thema: Terminkalender

Frühjahrsempfang der sächsischen Heilberufekammern

Mittwoch, 7. April 2010 | Autor: admin

27. April 2010
19:00bis20:00

Thema: Terminkalender

Parlamentarischer Abend des mdr

Mittwoch, 7. April 2010 | Autor: admin

27. April 2010
18:00bis20:00

Ort: Dresden

Thema: Terminkalender

Führung mit der Gewinnerin des Preisausschreibens des Landesverbandes

Mittwoch, 7. April 2010 | Autor: admin

23. April 2010
11:00bis12:00

Ort: Sächsischer Landtag und Plenarsaal

Thema: Terminkalender

Eröffnungsveranstaltung der Fraktionsveranstaltung: Fraktion-Forum Sachsen Zukunft – von LINKS gedacht

Mittwoch, 7. April 2010 | Autor: admin

22. April 2010
18:00bis21:00

Thema: Terminkalender

Gespräch mit einer Teilnehmerin des Girl’s Days in der LT-Fraktion

Mittwoch, 7. April 2010 | Autor: admin

22. April 2010
11:00bis12:00

Ort: Sächsischer Landtag

Thema: Terminkalender

Telefoninterview mit der Universität Jena

Mittwoch, 7. April 2010 | Autor: admin

21. April 2010
13:00bis14:00

Thema: Terminkalender

Sitzung des LT-Präsidiums

Mittwoch, 7. April 2010 | Autor: admin

21. April 2010
10:00bis13:00

Ort: Sächsischer Landtag

Thema: Terminkalender

Sitzung der LT-Fraktion

Mittwoch, 7. April 2010 | Autor: admin

20. April 2010
10:00bis16:00
27. April 2010
10:00bis16:00

Ort: Sächsischer Landtag

Thema: Terminkalender

Empfang des Mitteldeutschen Genossenschaftsverbandes

Mittwoch, 7. April 2010 | Autor: admin

19. April 2010
17:30bis19:30

Ort: Lichtenwalde

Thema: Terminkalender

Sitzung des Vorstandes der LT-Fraktion

Mittwoch, 7. April 2010 | Autor: admin

19. April 2010
10:00bis16:00
26. April 2010
10:00bis16:00

Ort: Sächsischer Landtag

Thema: Terminkalender

Ausstellungseröffnung 450 Jahre Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Mittwoch, 7. April 2010 | Autor: admin

17. April 2010
15:00bis16:00

Ort: Dresden

Thema: Terminkalender

Fraktionsvorsitzenden-Konferenz

Mittwoch, 7. April 2010 | Autor: admin

15. April 2010
11:30bis19:00
16. April 2010
10:00bis18:00

Ort: Dortmund

Thema: Terminkalender

Gespräch mit dem VDP - Landesverband Sachsen

Mittwoch, 7. April 2010 | Autor: admin

14. April 2010
11:00bis13:00

Ort: Sächsischer Landtag

Thema: Terminkalender

Gespräch mit der Gesellschaft zur rechtlichen und humanitären Unterstützung

Mittwoch, 7. April 2010 | Autor: admin

13. April 2010
11:00bis13:00

Ort: Sächsischer Landtag

Thema: Terminkalender

Kreistagssitzung

Mittwoch, 7. April 2010 | Autor: admin

12. April 2010
17:00bis20:00

Ort: Pirna

Thema: Terminkalender

Gesprächrunde in der Agentur für Arbeit Pirna

Mittwoch, 7. April 2010 | Autor: admin

12. April 2010
16:30bis17:30

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Sondersitzung der Parlamentarischen Kontrollkommission

Mittwoch, 7. April 2010 | Autor: admin

12. April 2010
13:30bis15:30

Ort: Dresden

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Aufsichtsratssitzung

Mittwoch, 7. April 2010 | Autor: admin

9. April 2010
09:00bis11:00

Ort: Pirna

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Hände weg vom Ladenschlussgesetz! / LINKE gegen weitere Aushöhlung des Ladenschlusses in Sachsen

Dienstag, 6. April 2010 | Autor: admin

Zum neu entbrannten Streit über den gesetzlichen Ladenschluss in Sachsen erklärt der Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag, Dr. André Hahn:

Die Fraktion DIE LINKE steht in der Frage einer weiteren Aufweichung der gesetzlichen Regelung des Ladenschlusses bzw. der Ladenöffnung ganz eindeutig auf Seiten der Gewerkschaften und auch der Kirchen.

Für eine Ausweitung der Öffnungszeiten oder für zusätzliche verkaufsoffene Sonntage gibt es keinerlei Notwendigkeit, und es gibt nach allen vorliegenden Untersuchungen auch keinen wirklichen Bedarf dafür.

Wir als LINKE stehen für einen weitestgehenden Sonntagsschutz, sowohl für die Familien allgemein und selbstverständlich auch für jene, die hier Traditionen christlicher Grundwerte gefährdet sehen. Und natürlich wollen wir vor allem die Beschäftigten im Handel schützen, denn schon die bisherigen Ausweitungen der Ladenöffnung haben gezeigt, dass nicht mehr konsumiert wurde, und vor allem sind keine zusätzlichen tariflich gebundene Arbeitsplätze entstanden.

Stattdessen gab es eine Verlagerung des Umsatzes aus dem Einzelhandel in die großen Verkaufszentren und gab es einen spürbaren Anstieg von prekären Beschäftigungsverhältnissen. Diese Entwicklung darf nicht noch weiter forciert werden.

Deshalb sagt DIE LINKE klar und deutlich: Hände weg vom Ladenschlussgesetz!

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