Vorrunden-Aus in Sachen Barrierefreiheit

Vorrunden-Aus in Sachen Barrierefreiheit

„Wenige Wochen vor dem Start der Fußball-Europameisterschaft der Männer muss man konstatieren, dass die Bundesregierung hinsichtlich ihres Versprechens einer inklusiven Großveranstaltung sowie der Schaffung von Barrierefreiheit in den zehn Stadien und Ausrichterstädten es gerade mal bis in die Vorrunde geschafft hat. Das ist angesichts der fünf Jahre, die seit der EM-Vergabe zur Verfügung standen und des Einsatzes von hunderten Millionen Euro an Steuergeldern nicht akzeptabel“, erklärt der Abgeordnete Dr. André Hahn, sportpolitischer Sprecher der Linken im Bundestag, mit Blick auf die Antwort des Bundeswirtschaftsministeriums auf seine Anfrage zu Informationen zur Barrierefreiheit in den Ausrichterstädten und Stadien zur EURO 2024.

Hahn weiter: „Mit dem Informations- und Kennzeichnungssystem REISEN FÜR ALLE (RfA) haben wir in Deutschland eine gute Möglichkeit, Menschen mit Behinderungen im In- und Ausland detaillierte und geprüfte Informationen zum Stand der Barrierefreiheit zur Verfügung zu stellen. Trotz entsprechender Vorschläge und Hinweise wurden diese Möglichkeiten nicht genutzt. Nur eines von zehn Stadien ist mit RfA zertifiziert (das Stadion in Dortmund), und die Informationen zur touristischen Servicekette rund um diese zehn Stadien (dazu gehören die Wege vom Flughafen bzw. Bahnhof und zum städtischen Nahverkehr, Informationen zur Barrierefreiheit in Hotels, Gaststätten, Sehenswürdigkeiten usw.) sind ebenfalls sehr dürftig. Keine Informationen zur Barrierefreiheit gibt es bisher für die Fanmeilen, zu denen Sportministerin Nancy Faeser über 10 Millionen Gäste erwartet. Das erschwert die Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigungen unnötig und ist kein Ausdruck von umfassender Gastfreundschaft.

Die Mängel hinsichtlich der Barrierefreiheit zur Fußball-Europameisterschaft sind aber nur die Spitze des Eisberges – die Situation bei anderen Sportstätten und Schwimmbädern in Deutschland ist noch viel gravierender. Dies führt dazu, dass Menschen mit Behinderungen nicht bzw. nur eingeschränkt am Sport teilhaben können – das betrifft den Schul-, Gesundheits- und Breitensport ebenso wie den Spitzensport. Auch deshalb benötigen wir einen Goldenen Plan Sportstätten, an dem sich der Bund in den kommenden 15 Jahren mit mindestens einer Milliarde Euro pro Jahr beteiligt. Und der digitale Sportatlas muss so weiterentwickelt werden, dass detaillierte und geprüfte Informationen zur Barrierefreiheit nach dem Standard des Systems RfA von allen Sportstätten erhoben und in diesen Atlas integriert werden. Diese Informationen sind eine wichtige Voraussetzung, damit Menschen mit Behinderungen die für sie geeigneten Sportstätten finden und nutzen können.“

 

Antwort im Volltext: 2-437-Hahn